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Fachwissen und Können (Teil 1)
05.02.2010

Wen man kennt, ist manchmal wichtiger als das, was man weiß, obwohl diese Rechnung im Taubensport glücklicherweise nicht aufgeht. Da ist man vom eigenen Wissen und von der eigenen Erfahrung abhängig, um zum Erfolg zu kommen. Es kann schon mal Glück mit im Spiel sein, aber das ist dann meistens von kurzer Dauer. Die Züchter, die Jahr für Jahr an der Spitze mitmischen, haben schon mal eine weniger gute Saison, doch im Jahr darauf sind sie wieder oben. Was unterscheidet diese Männer nun eigentlich von den anderen? Haben sie bessere Tauben? Haben sie in der Tat mehr Wissen? Sehen sie etwas mehr? Fühlen sie etwas mehr?

Eins plus eins ist zwei?

Ich habe schon früher geschrieben, dass Tauben zu halten, zu züchten und zu spielen keine Rechensumme ist. Das wäre etwas einfach, und genau das wird mehr und mehr zum Problem. Wir leben in einer Konsumgesellschaft, in der alles schnell und flexibel sein muss, weil Zeit Geld ist. Tauben sind in dieser Gesellschaft in vielen Fällen "ein Mittel zum" geworden. Sind sie "verbraucht", dann weg damit und Platz machen für andere.
Taubenzüchter zu werden, habe ich immer als eine Art Lehrberuf gesehen, und da ist man nicht so eins, zwei, drei fix und firm. Dazu gehört fallen und aufstehen, schauen, fühlen, vergleichen, probieren, sich vortasten, Erfahrung sammeln usw. Es ist ein langer Weg, auf dem man eigentlich nie sein Ziel erreicht. Man wird oder kann besser werden, aber Perfektion, was immer das dann sein mag, gibt es nicht. Darüber hinaus entwickelt sich alles derart schnell, dass man am besten ständig den Finger am Puls der Zeit haben muss. Das alles macht diesen Sport für den Anfänger so unendlich schwer und das ganz bestimmt, wenn niemand da ist, der sich seiner erbarmt.

Wettbewerb

Hobby ist Hobby und Sport ist Sport. Konkurrenzgeist und Siegeswillen sind uralte Wesenszüge des Menschen. Das ist nun einmal so, und jeder lebt das auf seine eigene Art aus. Es kommt darauf an, dass man in allem, was immer man auch tut, einfach einen normalen Zeitvertreib finden kann, und in diesem Punkt droht alles aus dem Ruder zu laufen, weil Menschen nun einmal ständig miteinander konkurrieren wollen. Wirkliches, echtes Hobby, einfach nur die Freude an den Tauben ist zur Zeit nur selten zu finden. Es muss koste, was es wolle, gewonnen werden, und dafür sind dann alle Mittel recht. Die Taube wird nicht mehr als Tier angesehen, sondern als Mittel zum Zweck. Gewinnen, der Beste sein, alle anderen überragen, darauf kommt es an. Aber wenn man hoch hinaus will, ohne für ein solides Fundament zu sorgen, kann man schnell tief fallen, und doch probieren es viele.

Der goldene Mittelweg

Wenn man Tiere halten will, muss man sie nach bestem Vermögen versorgen. Dazu gehört, genau wie beim Menschen, in Krankheitsfällen ein Medikament. Mit unseren Tauben nehmen wir an Wettkämpfen teil, und zu der Zeit müssen sie auch wie wir Menschen besonders versorgt werden und zwar in Form von Futterergänzungen. Noch viel wichtiger ist die Taube selbst. Die kommt sogar an erster Stelle. Sie muss es können, sie muss den Körperbau dafür haben, obwohl das alles schon Nebensache zu werden scheint. Es ist einfach Sünde. Wir züchten drauflos und stopfen sie mit allem möglichen Zeug voll. Es werden schon ein paar darunter sein, die ihre Sache gut machen. Verbraucht und ausgebrannt, aber das macht nichts, denn der nächste Jahrgang steht schon bereit. Taubenliebhaber sein... Das wird einfach so dahingesagt.

Die grundlegende Frage

lautet jedoch: Was will ich erreichen, was ist wichtig für mich und welchen Preis will ich bezahlen? Wenn einzig und allein die Ergebnisse von ausschlaggebender Bedeutung sind und die Art und Weise, wie sie erzielt werden, absolute Nebensache ist, dürfen es sozusagen fliegende Medizinschränke sein. Das kann ein paar Jahre lang gut gehen. Wollen wir jedoch die Zukunft im Auge behalten und einen soliden Taubenbestand aufbauen, fürchte ich, dass das nicht die allerbeste Art des Vorgehens ist. Wenn es sich als wirklich nötig erwiesen hat, Antibiotika einzusetzen, damit die Tauben gut fliegen, läuft meiner Ansicht nach ganz offensichtlich etwas verkehrt. Dann hat der Züchter jedoch noch immer die Wahl, den einmal eingeschlagenen Weg fortzusetzen oder nicht.

Einfach nur koste es, was es wolle?

Ich kenne Liebhaber in Hülle und Fülle, die dank der regelmäßigen Verabreichung von Antibiotika und allem möglichen anderen Kram einige Jahre lang die Pfannen vom Dach flogen und danach sang- und klanglos von der Bildfläche verschwanden. Spielt man auf diese Art und Weise, hat man natürlich nichts von einem Artikel über zum Beispiel Zuchtmischungen und den Unterschied zwischen einer an Hülsenfrüchten reichen Mischung und einem mehr fettreichen Futter, in dem doch mehr ausnutzbares Eiweiß steckt, was zu einem besseren Zuchtergebnis führt. Es kann auch durchaus genügen, jeden Tag die passende Menge eines Aminosäurekomplexes über das Futter oder in das Trinkwasser zu geben, um zu einem höheren Eiweißgehalt und geringeren Abfallstoffen zu kommen. Trotzdem bleibt es interessant, noch mehr oder sogar so viel wie möglich zu wissen. Allerdings ist das selbstverständlich meine persönliche Meinung.
Auf welchem Wege man etwas erreicht, macht doch letztendlich wenig oder vielleicht gar nichts aus, wenn nur die Ergebnisse gut sind? Dafür tun wir es doch schließlich? Man kann, um ein Examen zu bestehen, sechs von zehn Punkten holen, und das ist gar nicht schlecht, sieben Punkte sind schon besser, acht noch besser usw. Aber warum sollte man sich in Gottes Namen die Mühe machen, mehr Punkte zu holen, wenn es mit sechs von zehn auch schon klappt, gut zu spielen?

Es ist vielleicht besser möglich

Ich persönlich habe das Hobby in meinem Hobby, so viel Wissen wie möglich darüber anzusammeln. Alles über das Futter, die Körner- und Getreidesorten, Fette, Eiweiß und was nicht noch alles. Was sie bewirken oder welchen Einfluss sie auf die Taube haben. Wie Tauben sich verhalten, wie sie fliegen, welche Energie sie nutzen, wie das umgesetzt wird, die Zucht, die Vererbung usw. Für alles, aber auch alles, was mit Tauben zu tun hat, interessiere ich mich.
Die so genannten Beiprodukte, Alternativen, um eventuell ohne Medikamente auskommen zu können. Warum eine Sache wirken könnte oder auch nicht. Die Wirkung von Licht, welches Licht, wann, wo und wie lange, Gebrauch von Heizung, Schlagklima usw. Ich probiere einfach alles aus, ohne jedoch etwas über das Knie zu brechen. Manchmal geht es gut aus, manchmal auch weniger gut, aber jedesmal bin ich am Ende etwas weiser.
Für alles, was ich tue, versuche ich, eine Erklärung zu finden, versuche zu ergründen, warum es so besser ist oder auch nicht. Es ist ganz einfach fesselnd, und man lernt darüber hinaus sehr viel dabei. Ob man deswegen besser spielt, hat damit eigentlich gar nichts zu tun.

Theorie und Praxis

Ich kann dem natürlich voll und ganz beipflichten, dass die Theorie manchmal nur wenig oder nichts mit der Praxis zu tun hat. Es gibt Menschen, die es einfach sehen, fühlen oder merken, ohne dass sie eine Erklärung dafür geben könnten. Dann gibt es andererseits diejenigen, die für jedes Problem eine absolut akzeptable, manchmal sogar wissenschaftlich untermauerte Erklärung geben können, aber auf dem Schlag oder bei den Tauben einfach nichts sehen oder merken. Eine Kombination dieser beiden Fähigkeiten wäre wunderbar, aber das ist natürlich nicht jedem gegeben. Und was ist mit Erfahrung? Wenn man dreißig Jahre oder länger mit Tauben spielt, sollte man die doch haben, denke ich. Aber auch das ist noch immer keine Garantie für Erfolg.

Was soll ich ihnen geben?

Ich bekomme haufenweise Fragen über Tauben, obwohl ich das eigentlich nicht so sagen kann. Sie betreffen meistens nicht die Tauben direkt.
Es geht eigentlich nur noch darum, wo, wann und wie viel genau an jedem Tag der Woche gegeben werden muss, um die Federbälle optimal an den Start zu bringen. Es wird nicht die Frage gestellt, ob die Qualität der Tauben gut ist, denn davon wird auf jeden Fall ausgegangen. Schließlich stammen sie von hier oder dort, von diesem oder jenem Liebhaber und sind Kinder "aus". Was könnte an denen denn wohl nicht gut sein? Gut gefüttert? Selbstverständlich, ich befolge das Schema von X oder Y, und daran kann es auch nicht liegen.

Besuch

Kürzlich besuchte mich ein junger Züchter, der mehrere Tauben dabei hatte, die er mir zeigen wollte. Auffallend war wieder, wie bitter wenig die Liebhaber doch über ihr Hobby wissen, dem sie doch tagtäglich viele Stunden ihrer Zeit widmen. Einmal mehr hat sich bei diesem Besuch auch wieder gezeigt, dass Kommerz und Handel mit Tauben viel wichtiger sind, als Anfängern und jugendlichen Liebhabern einen Schritt weiterzuhelfen. Was er für zehn Jungtauben bezahlt hatte, wollte ich gar nicht wissen. Ich kenne den Züchter, von dem er die Tauben hatte, nicht persönlich, aber habe schon lang und breit seine Reklame und seine Ergebnisse gelesen. Die Tauben, die ich in die Hand bekam, waren derart wertlos, dass ich mich frage, wie dieser Mann auch nur einen Schwanzpreis gewinnen kann. Ich würde mich noch schämen, solche Krücken gratis und umsonst wegzugeben. Ich würde es nicht tun und noch nicht einmal zu tun wagen. So erschreckend schlecht waren die Tauben für einen Züchter von diesem Niveau. Aber schweigen wir darüber.

Wider besseres Wissen

Solche Tauben behält man dann auch wider besseres Wissen, denn sie haben einen Namen, und sie haben auch einen schönen Stammbaum mit klingenden Namen und Ergebnissen, vor denen man den Hut ziehen kann. Man züchtet daraus, kauft Ringe und Futter, man geht zum Tierarzt für die vorgeschriebene Paramyxo-Impfung, kauft ein paar Chipringe und tankt das Auto voll, um die Burschen zu trainieren. Mit denen, die man noch nicht verloren hat, begibt man sich dann zur Einsatzstelle, um nach sehr kurzer Zeit vor der vollendeten Tatsache zu stehen, dass sie keinen Pfifferling wert sind. Mit all dem Geld, das man dafür ausgegeben hat, ganz zu schweigen von der Enttäuschung, hätte man vielleicht mehr machen können. Die Kernfrage ist jedoch, wo hier etwas falsch läuft. Entweder beim Käufer, der sich so einen Schrott andrehen lässt und dafür noch sein sauer verdientes Geld hingibt oder beim Verkäufer, der solche Krücken für einen Haufen Geld an den Mann zu bringen versteht.

Wissen, was man kauft

Was mich betrifft, so bin ich der Meinung, dass es schon beim Käufer verkehrt läuft. Äpfel können wir nicht mit Birnen vergleichen und Tauben sind keine Äpfel. Nicht alle schönen Tauben sind gute Tauben oder umgekehrt, aber wenn alle dann (noch dazu missglückte) Spatzen sind mit sperrangelweit offen stehenden Kabeljauaugen, noch schlimmer als schlimmen Hühnerflügeln, ohne Muskeln, sehr kurz und dann noch in zwei oder drei Teile auseinander fallen, dann fresse ich einen Besen, wenn darunter etwas ist, dass Preis fliegen kann. Stellen Sie sich vor, was dabei herauskommt, wenn zwei solche Missgeburten zur Zucht zusammengesetzt werden, denn dafür wurden sie schließlich angeschafft. Damit züchtet man sich doch schneller "nach unten" als nach oben.
Ich passe in meinen Pyjama, und mein Pyjama passt in den Briefkasten, also passe ich auch in den Briefkasten? Man muss doch vorsichtig sein. Viel und noch mehr hängt davon ab, wie man die Dinge an den Mann bringen kann, und dabei sind Realität und/oder Ehrlichkeit oft in weiter Ferne. Hauptsache, die Kasse klingelt, mehr muss das offensichtlich nicht sein. Manche haben darüber hinaus das Talent, aus einem lahmen Sperling, der auf einem Flug mit einigen wenigen Liebhabern ein paar Preise geflogen hat, eine Supertaube zu machen. Es ist Ihre Sache, diese Dinge gründlich zu analysieren, bevor sie einen Haufen Geld für wertlosen Schrott ausgeben. Wo spielt der betreffende Züchter, wie liegt er, gegen wen und in welcher Fluggemeinschaft wurden die Preise geholt? Ein erster Preis gegen dreißig Tauben ist ein erster Preis. Ein erster Preis gegen fünftausend Konkurrenten ist auch einer.

 
Eddy Noël
 
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