Choose your language: Nederlands English Deutsch Vlaams Francais
Website Backs

Die Matador-Website verwendet Cookies (und andere Techniken) und sammelt unter anderem Informationen über die Nutzung der Website, um diese zu analysieren und zu verbessern und sicherzustellen, dass Sie relevante Informationen für Sie sehen.

Durch die Nutzung dieser Website oder durch Drücken der unten stehenden Vereinbarung stimmen Sie der Verwendung von Cookies und der Sammlung von Informationen auf dieser Grundlage auf der Website von Matador zu.

Artikel

Artikel

Die Energieversorgung
13.07.2007

Wenn wir zum Einkauf in die Stadt fährt stellen wir sicher, daß alles notwendige für den Kurztrip bestens vorbereitet ist. Wir nehmen unseren Mantel, unsere Brieftasche vielleicht noch einen Fotoapparat und unseren Regenschirm; nur für alle Fälle, denn man kann ja nie wissen. Wir versichern uns vom ordnungsgemäßen Zustand des Autos, tanken auf und legen den Kraftfahrzeugschein und den Versicherungsschein in das Handschuhfach. Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet. Wenn wir 250 Kilometer zu fahren haben und wir benötigen einen Liter Benzin auf 10 Kilometer dann wissen wir, wir benötigen für unseren Ausflug 25 Liter Treibstoff. Kalkulieren wir falsch, so müssen wir unterwegs anhalten und nachtanken. Sie denken wahrscheinlich: „ Was hat das mit Brieftaubensport zu tun ?“ Vieles, sehr vieles! Unsere Tauben werden auch Woche für Woche auf einen Flug vorbereitet. In der Vorbereitung auf einen kurzen Flug ( Vitesse) füttern wir etwas leichter und weniger, für die Mittelstrecke ( Midfond) und für die lange Strecke  ( Fond ) holen wir die Erdnüsse aus dem Versteck um de Tauben mehr Energie zuzuführen. Aber, geben wir ihnen wirklich genug ? Ob wir unsere Tauben gut füttern, ist doch auch oft eine Frage des „Gefühls“ und weniger eine Frage der wissenschaftlichen Vorgehensweise. Die Topschläge wissen um wisssenschaftliche Erkenntnis und Fortschritt! Doch wie man sich auch verhält, einige Fragen bleiben immer offen. Habe ich das Richtige getan? Was passiert wenn der Wind sich dreht? Heutzutage gibt es immer mehr Informationen und wir können viele Stellen um Hilfe bitten. Gibt es wirklich wissenschaftliche Forschungsergebnisse über den Energiebedarf bei Brieftauben während eines Wettfluges. Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette? Was wissen wir über diese Dinge?
 
Forschung 
 
Bis heute gibt es wissenschaftliche Ergebnisse von verschiedenen Universitäten ( Guelph in Kanada und Gent in Belgien). Noch kürzlich erfolgten einige Tests mit Brieftauben. Der Brieftaube wurde ein Sender auf den Rücken geschnallt. Vor dem Auflaß wurde eine Antenne auf diese Sender ausgerichtet. Und die Tauben konnten auf diese Weise während des Fluges über Satellit beobachtet werden.
 
Vielleicht wird es bald möglich sein, einen kompletten Wettflug im Internet zu verfolgen. Durch die durch den Gebrauch solcher Mini-Sender gewonnenen Daten werden wir in der Zukunft noch großen Nutzen ziehen können. Doch dieses Forschungsgebiet steckt noch in den Kinderschuhen. Ich denke zur Zeit sind die Sender einfach noch zu schwer um uns realistische und verläßliche Informationen zugeben. Vorerst müssen wir uns weiterhin auf die Erkenntnisse stützen, die wir bereits haben. Unterdessen steht die Wissenschaft nicht still. An der Universität von Gent wurden Brieftauben im Windkanal getestet. Die Brieftauben wurden mit der notwendigen Hardware ausgestattet und flogen gegen den Wind ohne auch nur einen Meter Boden gut machen zu können. Eine über den Kopf der Taube angebrachte Maske gab die Möglichkeiten die ausgeatmete Luft zu sammeln und daraus abzuleiten was die Taube benötigt um zu fliegen. Zuerst jedoch musste den Tauben beigebracht werden wie man in einem Windkanal fliegt.
 
Ergebnisse
 
Die Ergebnisse  sind sehr aufschlußreich. Es kam ans Licht, daß Brieftauben während der ersten zehn Minuten eines Fluges bereits ihre vollständigen Kohlenhydratreserven aufgebraucht haben. Sie benötigen sie lediglich um Höhe und Geschwindigkeit zu erreichen. Diese Kohlenhydrate ( Glukose oder Monosacharide ) sind in den weißen Muskelsträngen gelagert und sehr schnell erreichbar für den Brieftaubenstoffwechsel. Sind die Kohlenhydrate aufgebraucht werden für die nächsten 50 Minuten die Fette die sich im Körper, genauer gesagt im Blut aufhalten, genutzt. Diese im Blut enthaltenen Fette sind auf dem Weg zu den roten Muskelsträngen um dort als Fettreserve gelagert zu werden. Rote Muskelstränge bestehen zu 97,5 % aus ungesättigten Fettsäuren. Dies ist der Treibstoff für den Weg nach Hause. Die Blutfette im Körper sind das Ergebnis der Kohlenhydrat und fettreichen Getreidesorten die der Taubenzüchter während der letzten drei Mahlzeiten gegeben hat.
 
Wenn nach einer Stunde dieser Treibstoff aufgebraucht worden ist, werden automatisch die Fettreserven in den roten Muskelsträngen angezapft. Eine Brieftaube verbraucht während einer Stunde Flug ca. 3 – 3,5 Gramm reines Fett. Die exakte Höhe des Verbrauchs ist abhängig von der Effizienz des jeweiligen Stoffwechselsystems der Taube. Folgendes Beispiel zur Verdeutlichung: Es gibt Bodybuilder  mit großen, schweren Muskelpaketen und auf der anderen Seite Marathonläufer mit langen, dünnen Muskelsträngen. Die erstgenannten nutzen die Energie effizienter. Nun, da wir wissen, welchen Energiebedarf eine Taube für eine Stunde Flug genau hat, können wir mit dem Wissen um den Fettgehalt verschiedene Futtersorten ausrechnen, wieviel davon eine Taube benötigt.
 
Beispielrechnung:
 
Angenommen unsere Brieftauben haben einen Flug von sechs Stunden Dauer vor der Brust. Wie wir wissen ist für die erste Stunde Flug ausreichend Kohlenhydrat und Fett im Blut vorhanden. Für die letzten fünf  Stunden werden die Fettreservespeicher in den roten Muskelsträngen angezapft. Nehmen wir einen Verbrauch von 3,5 Gramm Fett pro Stunde Flug. Somit benötigt die Taube für diesen Flug 5 x 3,5 Gramm also 17,5 Gramm von in roten Muskelsträngen gespeicherten Fetten. Wenn wir den Fettgehalt in der Futtersorte kennen, können wir uns ausrechnen, ob unser Futter genug Fett enthält. Wenn wir Futter mit einem Fettgehalt von 5 % nutzen und pro Taube und Woche 200 Gramm verfüttern dann hat die  Taube zehn Gramm an Fettreserven bilden können, was einfach zu wenig ist für einen solchen Flug. Nutzen wir ein Futter mit 9 % fett ( 18 Gramm Fettreserve) ist es richtigl für diesen Flug.
Aussagen von Futtermittelherstellern wie: „Diese Futtermischung hat den idealen Fettgehalt“, sind insoweit mit Vorsicht zu genießen. Wie können immer eine fetthaltige Futtermischung leichter machen, indem wir weniger fetthaltige Bestandteile hinzufügen. Wir werden jedoch immer die Flugdauer des nächsten Fluges berücksichtigen müssen. Für wirklich lange Flüge sind 9 % Fett  nicht genug um die Tauben ausreichend vorzubereiten. Eine Zufütterung von 20 Gramm Erdnüssen stellt zusätzlichen Treibstoff für drei Stunden Flug zur Verfügung. 
 
Bei einer Fütterung von 60 Gramm Säuberungsmischung mit 3 % Fettgehalt und 130 Gramm Sportmischung mit 6 % und 10 Gramm Kleinsämereien mit 15 % Fettgehalt ( insgesamt also 11,1 % Fettgehalt) auf einem Mittelstreckenflug werden die Tiere einen Zwischenstopp einlegen müssen.
 
Berechnung des Energiebedarfs 
 
Eine gute Witwermischung hat einen hohen Fettgehalt, einen hohen verwertbaren Energiegehalt ( Kohlenhydrate und Fette ) und einen relativ geringen Anteil an Hülsenfrüchten. Sind diese Angaben nicht auf der Verpackung zu finden, so sind sie sicher in den Verkaufsbroschüren der einzelnen Firmen nachzulesen. Eine zu hohe Dosis an Fetten, ist jedoch auch der falsche Weg. Das Fettdepot der Taube kann möglicherweise „ überlaufen“ und die Form geht verloren. Die Taube muß das zusätzliche Gewicht mit sich tragen und der Stoffwechsel wird dadurch belastet und die Flugarbeit der Taube wird dadurch ineffizient. Ein Michael Schumacher wird seinen Formel 1 Boliden niemals volltanken wenn er nur noch zehn Runden zu fahren hat. Das Fahrzeug würde zu schwer und das würde ihn möglicherweise den Sieg kosten. Ein zuviel an Fetten macht die Taube langsam und zu wenig kann ebenfalls katastrophale Folgen haben. Die meisten Fehler in der Fütterung macht immer der Züchter und nicht die Taube.
 
Wenn alle Energiereserven von der Taube aufgebraucht worden sind, wird eine Taube mit dem entsprechenden Charakter und Willen weiterfliegen und damit beginnen ihre körpereigenen Eiweiße in Energie umzuwandeln. Daraus ergeben sich weitreichende Konsequenzen. Die Taube beginnt buchstäblich damit ihren eigenen Körper zu verbrennen ( Organe und Muskeln). Haben Brieftauben das einmal mitgemacht, werden sie nie wieder so schnell sein wie vorher. Für Kurzstreckenflüge ( Vitesse) sind Kohlenhydrate ( Glukose ) viel wichtiger als für Langstreckenflüge .
 
Forschungsergebnisse haben gezeigt, daß Brieftauben während sie Kohlenhydrate und Fette aus dem Blut und aus der Leber aufnehmen, wesentlich schneller fliegen können, als wenn sie fett aus den roten Muskelfasern absorbieren müssen. Dies kann man aus der obigen Abbildung entnehmen. In dem erwähnten Versuch hat die Taube während der ersten Flugstunde eine Geschwindigkeit von 100 Kilometern erreicht. Danach fiel die Geschwindigkeit auf ca. 80 – 85 Kilometer pro Stunde. Die letzte Geschwindigkeit wird erreicht, wenn Fett aus den roten Muskelfasern verbrannt wird.
 
Aus Forschungsergebnissen über den Gebrauch von Carnitin weiß man, daß Tauben nach ca. 400 Kilometern an eine erste Leistungsgrenze kommen, da zu diesem Zeitpunkt der Körper nach und nach übersäuert. Sie erreichen buchstäblich eine Mauer, die es zu durchbrechnen gilt. Nach einiger Zeit erholt sich die Taube und kann mit gemäßigtem Tempo weiterfliegen. Die letzten Kilometer sind such hier die schwersten Kilometer. Aus der Tabelle kann man erkennen wie wichtig Kohlenhydrate für einen Kurzstreckenflug sind. Zehn Minuten länger fliegen mit Kohlenhydraten ergibt einen Vorsprung von 2,5 Kilometern. Dieser Vorsprung ist während eines Kurzstreckenfluges nicht mehr aufzuholen. Dies ist natürlich alles zunächst einmal die Theorie. Brieftauben sind eben keine Rennpferde, sie auf einer abgesteckten Rennbahn laufen. Man kann dies nicht miteinander vergleichen. Vieles kann auf dem Weg nach Hause passieren. Eine optimale Orientierung, der Auflaß, der Wind usw. all das spielt eine Rolle. Aber, für Kurzstrecken von bis zu 300 Kilometern lohnt sich der Aufwand die Glykogenreserven und den Fettvorrat zu erhöhen auf jeden Fall. Auf Langstreckenflügen sind jedoch die Fettreserven viel wichtiger. Anders als die Radrennfahrer während der Tour de France können unsere Tauben nicht während des Fluges Essen und Trinken.
 
Sie können ihre Glykogenvorräte nicht auffrischen und sich auf ihre Reserven verlassen. Neben dem „ Treibstoff“ benötigen Tauben Sauerstoff. Muskeln können ohne Sauerstoff nicht gut arbeiten. Die Taube ist darauf angewiesen ausreichend rote Blutkörperchen zu besitzen, denn sie transportieren den Sauerstoff zu den Muskeln. Messungen bei Zugvögeln haben ergeben, daß auch Eiweiße während eines Vogelzuges benötigt werden. Umso schwerer der Flug, je mehr Eiweiß wird benötigt. Vergleichen wir die Situation wider mit dem Gebrauch eines Autos. Wenn man kurz mal in die Stadt fährt, wird man den Ölstand nicht kontrollieren. Vor einem langen Urlaub jedoch, ist es unerlässlich den Ölstand zu kontrollieren.
 
Die  Tauben muß die verbrauchten Eiweiße auswechseln gegen neue Eiweiße. Doch dazu mehr in einem der folgenden Artikel.
Willem Mulder.

 
Willem Mulder
 
<<< Terug