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Alles kann immer noch besser gemacht werden
05.02.2010

 

Die Olympiade in Dortmund liegt hinter uns. Fabelhafte Organisation und viele Besucher. Mehr muss das nicht sein. Natürlich gibt es immer Dinge, die hätten besser sein können, aber vielleicht liegt das in der Natur des Menschen, eher das Negative zu sehen und das Positive als ganz normal zu betrachten. Das Positive ist jedoch auch nicht von selbst gekommen, und man selbst wird nicht besser davon, wenn man andere "schlecht macht". Häufig ist es sogar so, dass etwas, das man selbst tun muss, sich plötzlich als viel schwieriger erweist, als man zunächst gedacht hat oder wenn man aus der Ferne zugesehen hat.

Indem man etwas ganz normal macht, kann man es lernen, aber indem man fühlt, sieht, beobachtet und vergleicht kann man den Vorgang besser machen und verfeinern. Nichts dauert ewig, und was gestern gut war, ist es morgen vielleicht absolut nicht mehr. Rekorde sind dazu da, um gebrochen zu werden, und wie hoch sie auch sind, geschieht das doch immer wieder. Besserer Techniken, bessere Materialien, optimalere Trainingsprogramme, bessere Ernährung, bessere Gesundheitsvorsorge und auch die bessere Abstimmung aller dieser Faktoren aufeinander sorgen für immer höher, schneller, weiter... Gerade wenn man denkt, dass jetzt das Limit erreicht ist, wird es doch überschritten.

Es ist noch nicht so lange her, dass zum Beispiel bei der Flandernrundfahrt durch die Aneinanderreihung mehrerer kleiner Anstiege nur noch wenige der Rennfahrer oder manchmal sogar keiner die Mauer von Geraardsbergen angingen. Beim Rennen Milano - San Remo war es am Poggio dasselbe, während heutzutage das ganze Peloton im Nu darüber hinweg donnert.

Nun, in unserer Taubenwelt ist das nicht anders. Sogar bei extrem schweren Flügen, und ich spreche hier nicht von Verkrachten, sind innerhalb kürzester Zeit die Preise vergeben. Auch hier dasselbe Phänomen. So ziemlich jeder hat die Möglichkeit, sich bessere Tiere anzuschaffen. Eine bessere Infrastruktur, bessere Versorgung, besser informierte Züchter, besser gefütterte Tiere usw. spielen dabei eine Rolle. Training besteht längst nicht mehr in ein paar um den Schlag geflogenen Runden. Füttern heißt längst nicht mehr, ein bisschen Futter auf den Schlag zu werfen. Spielen bedeutet auch schon lange nicht mehr, hier und da ein paar Tauben auf dem Schlag zu fangen und in den Korb zu stecken. Wenn in Bourges zirka 25.000 Tauben aufgelassen werden, bleiben die genau wie im Radrennsport das Peloton viel länger als kompakter Schwarm zusammen. Das ist auch der Grund, warum Wind und Lage einen immer größeren Einfluss haben. Tauben sind und bleiben schließlich Herdentiere. Herdentiere, die immer besser versorgte, besser trainierte, besser gefütterte usw. Spitzenathleten sind.

Willem Mulder kenne ich schon viele Jahre. Er ist ein Spezialist in Sachen Tierfütterung und da besonders in der Fütterung von Tauben, und das Schöne daran ist, dass das eigentlich nicht seine Arbeit sondern viel mehr sein Hobby ist. Hobby ist noch gelinde ausgedrückt, man kann es schon mehr als Besessenheit bezeichnen. In seinem Fachgebiet passiert nichts, das Willem nicht weiß. Immer auf der Suche, immer am Ausprobieren und Testen. Willem ist Niederländer, und Willem arbeitet für eine deutsche Firma. Wenn man dann auf einen Markt wie den belgischen kommt, wo viele Futterhersteller auf sozusagen anderthalb Quadratmetern zusammen sitzen, kann man als Blinder ohne Krückstock fühlen, dass das keine einfache Aufgabe ist. Jede dieser Firmen bringt darüber hinaus Qualitätsfutter auf den Markt, und dann neigt man dazu zu denken, dass es ein unmögliches Unterfangen ist. Doch es ist ein gigantischer Erfolg. Es muss irgendwo wohl doch ein Mehrwert drinstecken.

Man kann Getreidekörner und Sämereien so mischen, dass die Zusammenstellung schön aussieht. Verschiedene Farben und schöner Glanz geben ein prächtiges "Bild" für die Augen des Züchters. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass nicht der Züchter das Futter essen muss sondern die Taube. Von dieser Taube erwarten wir, dass sie auch mit Hilfe dieses Futters Spitzenleistungen liefert. Es kommt hier darum also nicht darauf an, eine Mischung nicht so schön sondern so effizient wie möglich zu machen, damit das Tier so gut wie möglich die Leistung erbringen kann, die wir von ihm erwarten.
Vielleicht sieht so eine Mischung auf den ersten Blick etwas weniger vertraut aus, aber die Ernährung ist im Spitzensport derart wichtig, dass sie leicht über Sieg oder Niederlage entscheiden kann. Nachahmungen können sich letztendlich auch als wertlos erweisen, wenn die zugrunde liegende Strategie nicht untermauert ist. Man kann gut die Fett- oder Eiweiß- oder Kohlenhydratwerte oder Omega-Mengen nachahmen oder die Zusammenstellung des Futters etwas ändern - es ganz oder genau nachzumachen, wäre wohl etwas ungeschickt - aber es sind genau diese Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen.

Holz und Holz ist zweierlei. Eiche, Buche, Pappel... das eine verbrennt zum Beispiel schneller als das andere, wenn man es in den Ofen steckt. Wenn man an einem kalten Winterabend den Kamin anmacht und einen Klotz Pappelholz hineinwirft, wird der zunächst gewaltig brennen, aber er wird schnell verbrannt sein, so dass man nach einer Weile doch in der Kälte sitzt. Eichenholz wird dagegen nicht so schnell auflodern, dafür aber länger brennen. Die Kombination der beiden Holzsorten kann dafür sorgen, dass es schnell warm wird und doch lange genug brennt, dass man den ganzen Abend lang gemütlich dabei sitzen kann. Natürlich können wir Holz nachlegen, aber wenn wir dieses Beispiel auf unsere Tauben beziehen, können diese unterwegs keine Energie nachtanken und müssen also mit dem auskommen, was wir ihnen mitgegeben haben.

Das Futter, das wir ihnen mitgeben, ist schließlich der Brennstoff, der dem Taubenkörper die Energie liefern muss, die es ihm erlaubt, Spitzenleistungen zu erbringen. Diese Energiezufuhr und die Verbrennung müssen so wirkungsvoll wie möglich mit möglichst wenig Abfallstoffen vor sich gehen, damit ein optimales Ergebnis erreicht wird. Kohlenhydrate sind dann nicht mehr einfach Kohlenhydrate. Es gibt zum Beispiel kurze und lange Kohlenhydratketten.

Fette? Es gibt noch und noch Fette, gute und weniger guter, jedes mit seinem eigenen Fettsäuremuster und auch das ist von besonderer Bedeutung. Diese Fettsäuren sind nämlich der wichtigste Brennstoff für unsere Tauben. Sonnenblumenöl und Rapsöl sind auf den ersten Blick einfach zwei Öle, zwischen denen aber doch ein himmelweiter Unterschied besteht.

So hat jedes Getreide und jede Sämerei ihre ganz bestimmte Eigenart, und dieses Wissen können wir nutzen, um von unseren Tauben bessere Leistungen zu bekommen. Für die kürzeren Flüge füttern wir Körner und Sämereien als Energiequelle in so einem Verhältnis, dass sie in kürzerer Zeit viel und leicht verbrennbare Energie liefern. Muss etwas länger geflogen werden, werden andere Körner und Sämereien in wieder einem anderen Verhältnis gemischt, damit der Taubenkörper in die Lage versetzt wird, länger schnell zu fliegen. Eine Weitstreckenmischung wird dann wieder noch ganz anders aussehen.

Auf der Ausstellung gab es viele Interessen. Die Leute wollten wissen, woher nun genau der Erfolg kommt, und was so anders ist als woanders. Die Züchter sagen dann schon mal: Ich mache es seit Jahren so, und das läuft gut. Und wenn man dann diese Züchter nach ihrem Fütterungssystem fragt, ist das auch effektiv und gut. Was gut ist, muss man nicht wesentlich verändern, aber das bedeutet auch nicht, dass es nicht noch verbessert werden könnte. Wie die Überschrift dieses Artikels sagt, kann alles immer noch besser gemacht werden, und müssen wir Taubenliebhaber danach nicht immer suchen? Gewinnen ist schließlich das, was wir wollen.

Als Züchter muss man auch lernen, das Futter zu "gebrauchen". Säuberungsmischung ist nicht gleich Säuberungsmischung, um nur ein Beispiel zu nennen. Es gibt Säuberungsmischungen, die ungefähr drei Prozent Fett enthalten, und es gibt welche, die bis zu sechs Prozent Fett enthalten. Das ist nicht nur das Doppelte, sondern es sind vielleicht die völlig verkehrten Fettsäuren, wenn die Tauben jede Woche nur auf den kürzesten Entfernungen fliegen müssen. Säuberungsmischung A ist vielleicht gut, wenn man jede Woche bis 100 km fliegt, aber sie kann unzureichend sein, wenn man darüber hinaus die Tauben jeden Tag ein ordentliches Stück zum Training wegbringt. Die perfekte Mischung und einen perfekten Plan gibt es nicht, weil die Situationen doch überall anders sind.

 

Das perfekteste Futter ist wertlos, wenn nicht der ganze Kreis rund ist. Nicht gesunde, schlecht untergebrachte, ungenügend oder verkehrt trainierte Tauben werden, obwohl sie ausgewogenes Futter bekommen, nichts zustande bringen.
Ein Weltmeister wie Sven Nijs, der sich jeden Tag Pommes mit einem schönen fetten Hamburger einverleibt, kommt innerhalb kürzester Zeit sehr viel weniger frisch und munter an den Start. Man kann dann wohl das Glück haben, bei einem Radrennen auf hohem Niveau mitzufahren und vielleicht auch einmal zu gewinnen, aber die ganze Saison über mit den Besten mithalten zu können, wird dann wohl ein frommer Wunsch bleiben.

Ein ausgewogenes Futter beurteilt man auch nicht in anderthalb Wochen sondern im Verlauf einer ganzen Saison. Eine wohlüberlegte Zusammenstellung belastet den Organismus viel weniger mit Abfallstoffen. Auf diese Art kann die Taube mehr Energie dafür verwenden, um schneller nach Hause zu kommen, sich schneller zu erholen und schneller wieder Energiereserven für den nächsten Flug anzulegen.
Ziehen Sie Ihren Vorteil daraus!

 
Eddy Noël
 
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