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Fachwissen und Können (Teil 2)
05.02.2010

Kennen und erkennen
In unserem vorigen Beitrag überlegten wir, was passiert, wenn man im Supermarkt ein paar Äpfel, Bananen oder was für Obst auch immer kaufen will und man bekommt ein braunes angegammeltes Exemplar in die Hand gedrückt. Ich bin sicher, man würde sich schönstens bedanken. Warum? Man hat nämlich zum Beispiel in Bezug auf Obst gelernt, gut von weniger gut und schlecht zu unterscheiden, und das kann man bei Tauben auch lernen. Das schönste Mädchen kann nicht geben, was es nicht hat. Nun, Tauben, die man für die Zucht gebraucht, können auch nicht weitergeben, was sie selbst nicht haben. Es gibt Eigenschaften, die dominant, rezessiv oder auch intermediär vererbt werden. Ein bisschen Sachkenntnis ist hier also am Platze, wenn man zu der Taube kommen will, die man nötig hat, um mit Erfolg an den Flügen teilzunehmen, auf die man sich konzentrieren will.
Wenn man Eigenschaften wie Intelligenz, harte, weiche, geschmeidige, kurze oder längere Muskeln, Gefiederqualität, kürzere oder längere Vorderarme, Vitalität usw. kennen oder zu erkennen lernt und man sich etwas zuchttechnisches Wissen zu eigen macht, wird der Weg zum Ziel schon ein Stückchen leichter, kürzer und mit viel weniger Fallgruben bestückt, als wenn man den Dingen einfach seinen Lauf ließe. Alle diese Dinge erfordern jedoch praktische Erfahrung.
Man kann nicht den Unterschied zwischen guten und weniger guten oder sogar schlechten Muskeln und wie sie sich anfühlen erklärt bekommen, und selbst wenn das möglich wäre, können das nur Hinweise in die richtige Richtung sein. Man holt die sehr Guten und die Grottenschlechten nach einiger Zeit wohl heraus, aber dazwischen gibt es noch unzählige Möglichkeiten. Da sind die Unterschiede selbstverständlich noch viel feiner, und einzig und allein Erfahrung und Übung werden helfen, auch hier einigermaßen den richtigen Weg zu verfolgen.

Spitzensport
Mit Tauben an der Spitze mitzumischen, ist noch nie ein Kinderspiel gewesen, und es ist im Laufe der Jahre immer schwerer geworden, weil immer mehr Liebhaber nicht die Mühe scheuen, sich über alle neuen Entwicklungen zu informieren.
Die Zeit eines mächtigen Beefsteaks mit einem Berg Kartoffeln für die Rennfahrer vor einem Radrennen ist lange vorbei. Kohlenhydrate, schnelle und weniger schnelle Zucker, kürzere und längere Kohlenhydratketten, haben diesen Platz eingenommen. Sie sind für den Körper weniger belastend und geben darüber hinaus mehr Energie, um nur ein kleines Beispiel zu nennen.

Der richtige Brennstoff
Wenn man weiß, dass man mit dem passenden Futter, also mit sozusagen dem richtigen Brennstoff, für das angepeilte Ziel die Vögel nicht schneller aber länger schnell fliegen lassen kann, und dass länger schnell fliegen können auf vielleicht nur eine Minute pro Stunde hinausläuft, ist es dann nicht der Mühe wert? Selbstverständlich muss man für alle diese Dinge wieder anfangen zu "studieren", und das ist doch etwas weniger einfach, als den Deckel von einer Dose aufzuschrauben, denke ich.

Kurzstrecke
Ich sprach kürzlich mit einem Anfänger darüber. Es hat mich Schweiß und Blut gekostet, ihn davon zu überzeugen, dass man für Quiévrain-Flüge, auf denen 40 bis höchstens 60 oder 65 Minuten unter normalen Bedingungen geflogen wird, viel besser eine kohlenhydratreiche Mischung füttert als eine fettreiche. Auf Fette greift der Taubenkörper immer erst zurück, wenn mehrere Stunden geflogen werden muss. Darüber hinaus fliegen unsere Tauben auf Zucker und Kohlenhydrate etwas schneller als auf Fette, und gerade auf der Kurzstrecke kommt es viel mehr als auf anderen Flügen auf die Schnelligkeit an.
Das geht also am besten mit einem Tank, der bis obenhin mit Zucker und Kohlenhydraten gefüllt ist. Ihnen ist mit einer zu großen unnötigen Fettreserve absolut nicht gedient. Die würde nur zusätzliches Gewicht und Ballast bedeuten. Dazu kommt noch, dass die Reserven, weil sie nicht aufgebraucht werden, noch die Möglichkeit bekommen, sich abzulagern. Die Tauben sind nach ein paar Wochen so gesättigt, dass man zusehen kann, wie die Leistungen nachlassen. Es wird immer schwieriger, sie zum Fressen zu bringen, und dann ist schnell Feierabend. Man erkennt das sehr schnell. Auf den ersten zwei bis drei Flügen fliegen sie die Pfannen vom Dach. In der Woche vier und/oder fünf gehen die Leistungen schon etwas zurück, um danach schlechter und schlechter zu werden.
Man kann sie auch in Bezug auf das Futter so kurz halten, dass das nicht geschieht, aber auch dann hat eine falsche Fütterung im Sinn von zu fettreich für kürzere Entfernungen mehr Nachteile als Vorteile. Die Taube bekommt dann zwar weniger Kalorien aber auch weniger an Futtermenge, während das Futter den Körper unnötig belastet, weil immer alles umgewandelt werden muss. Das ist alles verlorene Energie, sowohl für den Liebhaber als auch für die Taube.

Kurz rechnen
Vorausgesetzt man hat einen täglichen Bedarf von 900 kcal. Man nimmt dann besser eine Mischung, von der man 30 Gramm pro Tag füttern kann als eine, von der man 20 Gramm geben kann, um auf 900 kcal zu kommen. Wenn es sich um Kurzstreckenflüge handelt, von denen sie in weniger als einer Stunde zu Hause sind, verteilt man die Kalorien besser so, dass sie zum größten Teil aus Kohlenhydraten stammen. 30 Gramm Reisemischung haben zum Beispiel ein völlig anderes Verhältnis als eine durchschnittliche Diätmischung. Zum Vergleich habe ich Gerste mit auf die Liste gesetzt:

Dans uns cadre
                                 Fett    Eiweiß     Zucker    kcal
30 g Gerste                0,57    3,09      19,95      830
30 g Reisemischung    1,23    3,84      19,20      945
30 g Superdiät            3,93    3,66      14,55      1.056

Muss man das nun alles wissen, um mit Tauben spielen zu können? Nein, natürlich nicht, aber ich bin fest davon überzeugt, dass es helfen kann, genau wie es bei so vielen anderen Dingen hilft, wenn man sie besser versteht. Man braucht absolut nicht zu wissen, wie ein Auto zusammengebaut ist und wie der Motor funktioniert, um ein guter Fahrer zu sein. Solange alles gut läuft, ist alles in Ordnung. Treten jedoch Probleme auf, wäre es ganz nützlich, etwas mehr zu wissen.
Obwohl unser Anfänger von alledem nicht die geringste Ahnung hatte und seine Tauben trotzdem gut flogen, war ich doch der Meinung, dass er sie noch ein bisschen schneller machen könnte, und wenn es vielleicht nur eine Minute wäre.
Bei normalem und nicht zu schwerem Flugverlauf hat so ein Kurzstreckenflug eine Konkursdauer von nur wenigen Minuten, sodass auch nur eine Sekunde früher oder später einen oder mehrere Plätze höher oder niedriger in der Preisliste bedeutet.

Theorie und Praxis
Er beginnt, das zu begreifen, was nicht heißt, dass es unmittelbar seinen Niederschlag in den Leistungen findet, wenn er die Theorie besser versteht. Es kann eine Hilfe sein, mehr aber auch nicht. Das Gefühl, die Theorie in die Praxis umzusetzen, fehlt ihm vorläufig noch.
Der Übergang zur Mittelstrecke wäre also noch zu früh. Wenn man übrigens auf den Mittelstreckenflügen spielen will, spielt man als Anfänger sofort mit der Creme de la Creme des belgischen Taubensportes, und das könnte sehr schnell für eine gewaltige Desillusionierung sorgen.
Wenn man gerade Auto fahren gelernt hat, wird man auch nicht sofort mit einem extra großen und teuren Mercedes durch die Gegend kurven. Man hat noch keine Fahrpraxis, und die Gefahr, dass man als Fahranfänger das Auto zu Schrott fährt, ist viel zu groß.

Perfektion gibt es nicht
Was nützt das allerbeste Werkzeug, wenn man nicht damit umgehen kann? Ein guter Handwerker macht mit einem verrosteten Hammer und irgendeiner alten Kneifzange sozusagen doch noch ein ordentliches Werkstück. Gibt man ihm gutes Werkzeug kann es nur besser werden. Es kann aber auch umgekehrt sein. Ein ungeschickter Mensch bringt auch mit dem besten Werkzeug nichts Ordentliches zustande.
So ist das auch bei Tauben. Mit perfektem Körperbau, Flügel, Auge und was nicht sonst noch alles findet sie nicht den kürzesten Weg nach Hause. Dann haben wir erst einmal ein Problem, oder? Alles muss so gut wie möglich zusammenpassen, um Spitzenleistungen zu vollbringen. Jedes Teil des Puzzles muss so gut wie möglich an seinem Platz sein. Niemand kann aber auch in eine Taube hineinsehen. Der Wille, das "Mordant", das Orientierungsvermögen sind Dinge, die wir nur durch die Reiseleistungen der Federbälle erfahren.

Gut müssen sie sein
Egal wie viele Tauben man auf einem Flug mitgegeben hat, eine davon wird als Erste auf dem Schlag ankommen. Das ist bei uns nicht anders als bei jedem anderen Liebhaber. Eine der Tauben ist die Erste, ein paar kommen vielleicht etwas später, ein paar sind vielleicht noch weiter hinten in der Preisliste zu finden und dann sind da noch die, die wieder zu spät gekommen sind. Und doch haben alle diese Tauben das gleiche Futter bekommen, aus derselben Tränke getrunken, sitzen auf demselben Schlag und werden auf dieselbe Art und Weise versorgt. Warum schaffen es dann manche, mit der Spitzengruppe mitzukommen, warum lassen andere das Feld abreißen und fliegen wieder andere hoffnungslos hinterher?
Es wird wohl einfach so sein, dass die eine besser ist als die andere, aber diese Erklärung erscheint mir etwas zu simpel. Das kann natürlich von vielen Faktoren abhängen, die wir alle nicht in der Hand haben. Die eine Tauben kann besser bei Gegenwind fliegen, während die andere lieber Rückenwind hat. Ist der Himmel klar und wolkenlos? Gab es unterwegs Regenschauer? Ist es eher bewölkt? Alles Dinge, die eine Rolle spielen. Es gibt Tauben, die besonders schnell fliegen können, das aber nicht lange durchhalten. Es gibt Tauben, die mehr Ausdauer haben, aber dann wieder nicht ganz so schnell sind, und wenn dann ein sehr schneller Flug ist... Die momentane Form, ein Supertag oder gerade ein weniger guter Tag. Die Motivation, um trotz zunehmender Ermüdung doch noch etwas länger zu fliegen als die anderen. Es sind lebende Wesen, und so gehört das alles zu den Möglichkeiten.

Talent und/oder Willenskraft
Es gibt Athleten mit besonderen Talenten und dazu den körperlichen Fähigkeiten, um in einem bestimmten Sport oder einer bestimmten Disziplin ganz nach oben zu kommen. Aber was nützt das alles, wenn der Wille, das Talent zu nutzen, nicht vorhanden ist, wenn es an Durchsetzungsvermögen fehlt oder mental nicht alles in Ordnung ist? Dann erreicht man gar nichts. Das Potenzial ist dann vielleicht deutlich sichtbar vorhanden, aber alle anderen genauso wichtigen Dinge kann man nicht oder nur sehr schwer einschätzen.
Wie ist das nur möglich, so ein Bild von einer Taube und sie fliegt verflixt nochmal keinen Meter Preis? Das kennt sicherlich jeder.

Gut oder nicht gut?
Anhand der Reaktionen fällt mir auf, dass die Leute manchmal davon ausgehen, dass ich einfach alles weiß und das allein aufgrund der Tatsache, dass ich regelmäßig "etwas" schreibe. Nichts ist jedoch weniger wahr und ganz bestimmt nicht in meinem Fall. Ich lese auch viele Artikel, und nicht selten regen mich manche davon zum Nachdenken an oder veranlassen mich, die Dinge von einer Seite zu betrachten, von der ich mich ihnen noch nie genähert habe. Was ich tue, ist einfach, niederzuschreiben, was ich denke, wie wir es machen, gemacht haben oder machen werden, was und wie ich über bestimmte Themen denke, welches die eventuelle Motivation ist, um irgendwo etwas zu verändern, aber dabei immer berücksichtigend, dass Tauben, allen Theorien zum Trotz, einfach keine exakte Wissenschaft sind. Andererseits gibt es aber auch viele Dinge, die intensiv untersucht wurden, und es wäre dumm, von diesen wissenschaftlich bewiesenen Tatsachen keine Gebrauch zu machen oder zu unserem Vorteil zu verwenden. Auch im Taubensport ist Stillstand Rückschritt.

Wir wissen
Was wir wissen, haben wir unsererseits auch von jemand anders, aus einem Buch, einem Video, eigener Erfahrung und was nicht noch allem lernen können. Auf welche Art und Weise wir auch immer gelernt haben, es hat seine Zeit und Investitionen gekostet. Es gibt Anleitungen, wie man Taubenzüchter wird, in Hülle und Fülle, aber man ist doch immer auf sich selbst oder eine Person angewiesen, die es gut mit einem meint. Taubensport ist Wettkampfsport, und je weniger der andere kennt und weiß, umso geringer ist die Chance, dass er im Wettbewerb vor einem selbst liegt. Vergleiche ich das zum Beispiel mit dem Pferdesport, steht das alles in schrillem Kontrast dazu. Jemanden mit genügend Wissen und Erfahrung zu finden, ist schon keine Kleinigkeit. Dann muss dieser Jemand bereit sein, sein Wissen zu teilen, und wenn man so jemanden finden konnte, muss man ihm einen Stundenlohn zahlen, dass man sich hinsetzt. Wie jede Medaille hat auch diese zwei Seiten. Menschen, die dann an Kursen teilgenommen haben, versuchen dann ihrerseits, ein paar Schüler zu "unterrichten", ohne selbst genügend Kenntnisse geschweige denn Erfahrung zu haben. Sie machen das, um ihre weiteren Kosten tragen und sich selbst vervollkommnen zu können. Ehe dieses vermeintliche Wissen dann schließlich bei der zweiten oder dritten Hand angekommen ist, ist das Wesentliche schon längst verloren gegangen, und was bleibt dann letztendlich noch davon übrig?
Sie kennen sicher die Anekdote von dem Automechaniker. Nein? Er verlangt 50 Euro, nachdem er einen Wagen, der nicht ansprang, repariert hatte, während er eigentlich nur eine Minute gearbeitet und ein klitzekleines bisschen an einem Schräubchen gedreht hatte. Der Kunde war fassungslos über diese hohe Rechnung für so wenig Arbeit, aber der Mechaniker antwortete: "Ja, mein Herr, das Drehen an dem Schräubchen kostet gerade mal 5 Euro, aber zu wissen welches Schräubchen 45..."

Alles kann sich ändern
Je mehr man liest, desto mehr Fragen stellt man sich manchmal, obwohl das an und für sich nicht falsch ist. Alle möglichen Reportagen und häufig über denselben Züchter in allen möglichen Taubenzeitungen. Wenn man die dann alle nebeneinander legt, weiß man manchmal nicht mehr, wo vorne und hinten ist.
Natürlich ist es so, dass der Reporter darüber schreiben muss, wenn der Züchter ihm als unumstößliche Wahrheit erzählt, dass er Kaninchenköttel in Puderzucker wälzt und die dann seinen Cracks gibt (um hier kurz stark zu übertreiben). Der Reporter kann schließlich nur schreiben, was der Züchter ihm zu erzählen weiß. Sagt der in der einen Woche so und in der anderen so... Die Fahne nach dem Wind hängen, nennt man das, und das ist abhängig davon, für wen oder was man die schönen Geschichten auftischt. Dazu kommt noch, dass manche sich gebärden, als hätten sie das warme Wasser neu erfunden. Für Geld tanzt der Bär. Das und Ehrgeiz und Eitelkeit. Das darf alles sein, aber muss das auf Kosten von allem und noch mehr sein?
Die Winterzucht steht vor der Tür, und da ist es von größter Wichtigkeit, dass die Tauben kerngesund sind. Nur dann bekommen wir sie in die nötige Verfassung, dass sie die schwere und unnatürliche Winterzucht zu einem guten Ende bringen. Je besser die Kondition der Elterntiere zu dem Zeitpunkt ist, umso bessere Junge werden sie hervorbringen, und die sind schließlich die Zukunft.

 

 
Eddy Noël
 
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