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Feeling... und aller Anfang ist schwer
05.02.2010

Es sind immer wieder dieselben Bauern, die die besten Schweine züchten. Es wird wohl am "Feeling" liegen, aber wie sieht "Feeling" aus, was ist das eigentlich? Kann man es lernen oder ist es absolut und überhaupt nicht zu lernen? Hat man es in den Fingerspitzen oder hat man es nicht?
Bücher über Bücher habe ich gelesen und wieder gelesen, Videos über Videos habe ich angeschaut. Gute, sehr gute und manchmal sogar besonders lehrreiche. Jetzt wusste ich gut Bescheid, und das sollten auch meine Konkurrenten erfahren. Ja, ja, träum' weiter. Wenn es so einfach wäre, würden wir alle Meister.
Kann der beste Architekt der Welt ein Haus bauen? Meistens nicht, obwohl er genau und bis ins kleinste Detail weiß, wie es sein muss. Wenn Ihre Tauben einfach nicht nach Hause kommen wollen, jedenfalls nicht rechtzeitig, kann der beste Tierarzt der Welt daran etwas ändern? Wenn sie krank sind, dann wohl. Er kann sie gesund machen. Aber gesund sein, in guter Verfassung sein, Form haben und außerdem noch ausreichend motiviert sein, um schnell nach Hause zu kommen, das sind völlig verschiedene Dinge, und da kann auch der Tierarzt mit einer Pille, einem Pülverchen, einem Fläschchen und was immer sonst nichts machen. Dazu kommt außerdem noch, dass auch eine schlechte Taube in Form kommen kann, und damit kommt man natürlich auch keinen Schritt weiter.

Es will einfach nicht klappen
Schlagklima o.k., Gesundheit o.k., sie trainieren sehr gut, kein Federchen liegt verkehrt, gesundes Futter, pünktlich ein paar Vitamine, eine Kur und verdammt... sie sind wieder zu spät! Was geben die anderen Kerle nur? Was machen die mit ihren Tauben? 1001 Fragen, die vorläufig ohne Antwort bleiben.
Ich vergleiche die Gesamtheit des Taubensports schon mal mit einer teuren Schweizer Uhr. Nimmt man nur das kleinste Teilchen heraus, befürchte ich, das man immer und überall zu spät kommen wird, weil der Apparat nicht mehr geht. Und genau nach diesem kleinen Teilchen suchen wir alle vielleicht, nach der kleinen Nadel im riesigen Heuhaufen. Das "Ganze" muss komplett sein, und welches System man auch immer gebraucht oder anwendet, es ist von sehr großer Bedeutung, dass man das System vollkommen und bis ins kleinste Detail kennt. Sonst wirkt es nicht, genau wie die Uhr.

Immer auf der Suche
Anderes Futter, den Schlag bis zum Überdruss verändert, andere Vitamine, dies noch probiert, das auch noch mal und danach wieder etwas anderes, von dem man gehört hat. Und trotzdem läuft es immer schlechter. Die Tauben haben gar nicht die Zeit, sich anzupassen, wenn der Züchter alle naselang alles und noch mehr verändert. Eine zum Beispiel mittelmäßige Taube auf einem guten Schlag bei einem guten Züchter kann ihre Sache recht gut machen, während eine allerbeste Taube auf einem schlechten Schlag und bei einem weniger guten Züchter nichts zustande bringt.
Woran liegt es um Himmels willen eigentlich? Man fängt an, man schafft sich von diesem und jenem ein paar Täubchen an, und dann geht es los, aber ach, ich war schnell geheilt, denn so einfach war und ist es wirklich nicht. Mehr als eine halbe Stunde kamen sie zu spät. Und das ist nicht erfreulich. Sie bekommen jeden Tag gutes Futter, und meine Zeit stecke ich auch hinein, nein, so hatte ich es mir wirklich nicht vorgestellt.

Die Wende
Nach langem Jammern und Klagen besuchte mich schließlich ein sehr guter Züchter auf meinem Schlag. "Mann, Mann, was ist das denn hier? Mach dir ein paar Fritten, hol' etwas Salat und ein paar Tomaten dazu und iss die Tierchen gemütlich auf. Dann hast du zumindest noch etwas davon. Nachdem du alles und noch mehr versucht hast, ist wohl nichts anderes dabei herausgekommen?" Schließlich spielte der Mann knallhart und musste es also wissen.

Nichts geht von selbst, und von selbst geht nichts
Alles, was bei ihm auf Trainingsflügen oder am Haus verloren ging und gemeldet wurde, durfte ich behalten, wenn ich sie abholen würde. Ferner musste ich viel Kot kratzen, bei ihm mit auf die Tauben warten und beim Impfen helfen. Viele gute Tauben habe ich in die Hand bekommen und angesehen, weggebracht für Trainingsflüge, mit zum Einsetzen gegangen, und so hatte ich schließlich so ziemlich alles gesehen und erlebt, was im und um den Schlag herum getan werden muss. Inzwischen auch beim Einsetzen von Kurz- und Mittelstreckentauben tausende von Tauben mit einem Gummiring versehen und in die Körbe gesteckt. Richtig, auf die Dauer kannte ich die Züchter, aber ich konnte nach einiger Zeit doch sagen, wer gut, wer weniger gut oder sogar schlecht drehen würde. Man bekommt tatsächlich das "Feeling" dafür.

Der gute Start
Als ich im Jahr darauf aus den Zufliegern eine frühe Runde gezüchtet und von dem braven Menschen noch etwas dazubekommen hatte, klappte es auf einmal. Auf denselben Schlägen, mit einem hier und da etwas veränderten System und was soll man sagen, auf einmal kannte ich alles. Niemand in der Einsatzstelle konnte mit Sicherheit sagen, dass er den Ersten hätte, solange meine Uhren nicht geöffnet waren, und letztendlich hatte ich außer, dass ich andere Tauben hatte, so gut wie nichts geändert.
Die Tauben erzählen einem einfach selbst alles, wenn man sie gut beobachtet. Man sieht und fühlt, wenn sie baden möchten, sich auf dem Schlag wohl oder nicht wohl fühlen, wenn ihnen auch nur das geringste fehlt oder fehlen wird, ob man sie besser etwas mehr, etwas weniger, etwas leichter, etwas schwerer füttern muss usw. Man muss nur sehen wollen und mehr noch, wissen, was man sehen muss. Das ist das Handwerk, das ist Erfahrung, und das lernt man nicht aus einem Buch oder Video.

Vom Nest??
Ob sie nun gerade gepaart waren, schon brüteten oder nicht brüteten, vor dem Nationalflug Bourges hatten sie bei diesem Züchter immer ein kleines Junges. Eier unterlegen, zwei Tage brüten, ein kleines Junges geben und zwei Tage später ein Körnerjunges, das steht alles so schön auf dem Papier.
Eine einfache Erklärung, um eine Mauer zu bauen: Wasser, Sand, Zement, von jedem so und so viel und gut mischen, Steine, Schnur spannen, etwas Mörtel, Stein drauf und Schritt für Schritt so weiter. Steht damit die Mauer? Steht sie gerade? Bei manchen sehr schnell, bei anderen nie, auch wenn die Erklärung noch so gut und detailliert war.

Es hört nie auf
Bei Licht besehen, betrachten manche von uns den Taubensport als Entspannung und um einmal rauszukommen. Der größte Teil versucht jedoch, die Latte immer höher zu legen, und dann wird es Sport auf Messers Schneide, Spitzensport sozusagen. Und komm' da mal als Anfänger zwischen. Es ist ein langer dunkler Weg voller Schlaglöcher, Krater und Fallgruben. Dann ist es äußerst angenehm, wenn einem jemand zur Seite steht, der einen darauf aufmerksam machen kann, wo sie sich befinden könnten. Spitzensport... nichts, aber auch gar nichts darf dann schief gehen, und Sieg oder Niederlage liegen häufig an Details. Es gibt Spezialisten über Spezialisten. Es hat sie immer gegeben und wird sie immer geben. Man lernt niemals aus, und gerade das ist die Herausforderung.

Dafür macht man es
Noch immer und jedesmal aufs Neue bekomme ich Gänsehaut, wenn ich eine heranstürmen sehe, nachdem ich eine Woche lang mein Bestes gegeben habe, um sie in allerbester Verfassung an den Start zu bekommen. Das hat etwas, sie wollen zu Hause sein, sie fühlen sich wohl, es erwartet sie etwas, das Weibchen, der Züchter, der sichere Heimathafen, einfach das Ganze mit so wenig Mängeln wie möglich. Wo habe ich es wieder gelesen? Wer die wenigsten Fehler macht... Es wird wohl so sein!


 
Dieser Tisch voller Bücher gibt uns keine Garantie auf Erfolg, das "Feeling" dagegen...

 
Eddy Noël
 
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