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Die Zucht (Teil 2)
05.02.2010

Nichts einfacher als Tauben zu züchten. Man setzt einige zusammen auf einen Schlag und wenn man alles laufen lässt, ist am Ende des Jahres der Schlag zu klein. Das ist die eine Art, aber es gibt auch andere. Keine einzige dieser Arten ist jedoch allein selig machend. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren!
Es gibt mehrere Zuchtmethoden, nach denen wir vorgehen können und die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Wir wollen sie hier eine nach der anderen näher unter die Lupe nehmen.

Kreuzung
Paaren wir einen Pudel mit einem Pudel, kommt als Ergebnis ein Pudel dabei heraus. Paaren wir einen Bobtail mit einem Bobtail züchten wir Bobtails. Paaren wir einen Bobtail mit einem Pudel, züchten wir auch einen Hund. Wir haben dann sozusagen drei verschiedene Tiere aber immer Hunde.
Mit Kreuzen ist gemeint, dass man Tauben von verschiedenen Liebhabern miteinander paart. Bei den Eltern und Voreltern ist in den Abstammungen absolut keine Verwandtschaft zu finden. Genetisch gesehen haben sie also nur wenig oder nichts gemeinsam. Der Vorteil der Kreuzung besteht darin, dass man im Durchschnitt sehr viele vitale Tauben züchtet. Die Kombination der Gene von zwei völlig unterschiedlichen "Rassen" kann für ein besseres Leistungsvermögen, als die Elterntiere vermuten lassen, sorgen. Mit anderen Worten: Man zieht den größten Nutzen aus dem Heterosis-Effekt. Ein Nachteil ist der, dass die Vitalität, die die Jungen aus dem guten Paar so "gut" macht, nicht in der folgenden Generation vererbt wird und dass also in der folgenden Generation sehr viel Abfall gezüchtet wird.
Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass man nur hoffen kann, dass man zu der Zeit, in der das gute Paar keine Jungen mehr gibt, ein anderes Paar entdecken konnte, bei dem es "klickt", denn sonst kann man seine Karriere als Taubenzüchter vergessen.

Inzucht
Unter Inzucht versteht man, dass man Tauben in Blutsverwandtschaft züchtet, wie zum Beispiel Vater x Tochter, Mutter x Sohn, Bruder x Schwester, Cousin x Cousine usw. Eine ABSOLUTE Voraussetzung ist, dass die Ausgangstiere, mit denen man Inzucht machen will, von HERVORRAGENDER Qualität sind. Damit steht oder fällt das Ganze. Durch Inzucht konzentriert man sowohl die guten als auch die weniger guten und schlechten Gene. Man verankert also - und die eher als die guten Eigenschaften - die Fehler und Fehlerchen. Eine sehr strenge Auslese der Zuchttiere ist also unbedingt erforderlich. Dazu kommt auch noch, dass nicht alle Tauben Inzucht leicht oder gut vertragen. Je mehr der Bestand in Bezug auf die verschiedenen Eigenschaften homozygot wird, desto mehr werden sich die Tauben in ihren äußerlichen und charakterlichen Begabungen und Mängeln gleichen. Zugleich geht ganz allmählich immer mehr an Vitalität verloren und langfristig bleibt das nicht ohne Konsequenzen, und zwar vor allem in Bezug auf die Flüge. Bei Zuchttauben ist das nicht unmittelbar ein Problem, im Gegenteil sogar, doch für Reisetauben müssen wir sehr genau darauf achten, dass auch in unserem Inzuchtbestand die Diversität erhalten bleibt.

Linienzucht
Linienzucht bedeutet für uns Taubenliebhaber, dass wir unter unseren Basistieren ein paar bessere Vererber finden können, die wir anschließend "in Linie" weiterzüchten. Mit anderen Worten: Man gebraucht also immer Tauben aus denselben Voreltern, die bewiesen haben, dass sie über eine gute Genstruktur verfügen, um es zu einer guten Taube "zu bringen".

Nach welcher Zuchtstrategie man auch immer vorgeht, machen wir beim Aufbau eines Stammes immer Gebrauch von sowohl Kreuzungen als auch von Inzucht und Linienzucht als Zuchtmethoden. Es kommt darauf an, die genetische Varietät innerhalb des Bestandes zu begrenzen, indem man Inzucht macht oder in Linie züchtet. Doch zugleich muss man auf äußerlich wahrnehmbare Kennzeichen achten, um eine möglichst hohe Diversität im Stamm zu behalten. Über jedes dieser Dinge kann man mit Leichtigkeit eine ganze Zeitung vollschreiben. Aber nach welcher Zuchtmethode man auch vorgeht, gibt es unabhängig davon noch immer ein paar Dinge, die man berücksichtigen muss.

Augen
Ich versuche im Bereich des Möglichen keine Glasaugen an Glasaugen zu paaren. Das hat absolut nichts mit der Tatsache zu tun, dass man daraus keine guten Tauben züchten kann. Es geht nur darum, dass Glasaugen rezessiv vererbt werden und dass das langfristig sicherlich nicht der Verschiedenheit der Augenfarben auf unserem Schlag zugute kommen würde. Glasauge an Glasauge gibt immer Glasauge, und darüber hinaus habe ich die Erfahrung gemacht, dass es bei diesen reinerbigen Glasaugen etwas schwerer ist, die Qualität des Auges zu erhalten, mit anderen Worten, dass sie ziemlich schnell degenerieren.
Dabei achten wir, unabhängig von der Farbe, besonders auf die Ausgewogenheit zwischen Starre und Flexibilität des Auges. Diese Dinge hängen von Dicke und Umfang der Iris ab. Eine drei Viertel bis volle, nicht allzu dicke Iris haben die Tauben, die am besten auf der großen Mittelstrecke bis zur Eintagesweitstrecke bei den hierzulande hauptsächlich herrschenden Wetterverhältnissen fliegen. Im Durchschnitt werden diese Dinge intermediär vererbt, was heißt, dass schwarz x weiß grau ergibt. Bei Kreuzungen kann das aufgrund der größeren Vitalität (bessere Blutversorgung) etwas grauer sein, während bei Inzucht und Linienzucht das Grau etwas schwächer ist. Paaren wir bei unseren Tauben also eine halbe mit einer vollen Iris gibt das +/- eine Dreiviertel.

Flügel
Schnelligkeit ist im Taubensport ein wichtiger Faktor. Flugtechnisch ist es so, dass eine kurze Verbindung zur Schulter für einen schnelleren und kräftigeren Flügelschlag sorgen kann. Ein kurzer Vorderarm hat seinerseits eine schmalere Tragfläche zur Folge. Je größer die Tragfläche, desto größer ist bei der Taube auch die Fähigkeit zu schweben, desto leichter kann sie also in der Luft bleiben. Doch die größere Tragfläche wirkt sich hemmend auf die Schnelligkeit aus. Abhängig von den Flügen, die man bevorzugt, versucht man also, die Flügel mit dem größten Wirkungsgrad zu züchten. Für Flüge von zwei Stündchen müssen sie sozusagen gar keine Tragfläche haben. Damit würden sie jedoch auf Flügen von acht oder zehn Stunden nicht weit kommen.

               Schneller Flügel                                       Langsamerer Flügel

Linke und Rechte
Von jeder Zuchttaube notiere ich, ob sie links oder rechts ist. Bei einer linken Taube zeigt die Fahne der obersten Schwanzfeder nach links. Bei einer rechten Taube ist das selbstverständlich umgekehrt. Wenn Sie gut beobachten, werden sie merken, dass linke Tauben meistens irgendwo links auf dem Schlag ihren Platz finden, während rechte Tauben auf der rechten Seite sitzen.

   

                Linke Taube                                                Rechte Taube

Wie Sie wissen, ist der Schwanz der Taube von größter Bedeutung für die Balance sowohl der Längs- als auch der Querachse. Die Taube steuert nicht nur damit sondern gebraucht den Schwanz auch und vor allem, um während des Fliegens im vorteilhaftesten Gleichgewicht zu bleiben. Je mehr sie ihr Gleichgewicht ausbalancieren muss, um so ermüdender ist es und um so mehr Energie kostet es. Ein gutes Gleichgewicht gibt also einen höheren Wirkungsgrad und das, je länger geflogen werden muss. Pfauenschwänzchen brauchen wir also nicht. Fliegen sie gut, ist das sehr schön, aber da das ein Fehler ist, der dominant vererbt wird, setzen wir solche Tauben fast nie zur Zucht ein. Kräftige Schwänze sind darum nicht unwichtig. Ein mitbestimmender Faktor sind dabei die Federn unter dem Schwanz. Je länger und kräftiger sie sind, umso mehr stützen sie den Schwanz während des Fluges. Ihre besseren Zuchttauben bekommen diesbezüglich mit Sicherheit eine hohe Punktzahl, wenn Sie das kurz überprüfen.

Wenn möglich sorgen wir dafür, dass wir eine linke Taube mit einer rechten paaren. Rechts an rechts ist auch gut möglich, aber wenn Sie zwei oder drei Generationen hintereinander links an links paaren, werden Sie merken, dass das einen kräftigen Rückgang zur Folge hat.

Pigmentierung
Mit Pigmentierung ist häufig die Intensität oder "Tiefe" der Farbe der Federn gemeint. Es gibt Nuancen von tiefschwarz bis mattgrau, was laut mancher Quellen mit der Vitalität zusammenhängen soll. Ich persönlich stimme damit allerdings nicht völlig überein.

                   

        schwache Pigmentierung                               starke Pigmentierung

Ferner achten wir im Bereich des Möglichen darauf, keine Extreme miteinander zu paaren. Eine sehr große Taube nicht mit einer sehr kleinen Taube, eine lange nicht mit einer kurzen. Wir versuchen, ungefähr Tauben desselben Typs miteinander zu paaren.
Je besser und strenger wir unsere Zuchttauben selektieren, desto weniger Kompromisse müssen wir beim Paaren eingehen, und das ist auf jeden Fall viel einfacher, als für viele Eigenschaften nach dem Durchschnitt suchen zu müssen.

Gut und besser
Alle diese Eigenschaften für sich genommen, wie gut oder schlecht sie bei einer Taube auch ausgeprägt sind, bestimmen nicht, ob eine Taube gut oder schlecht ist. Wenn wir von der Voraussetzung ausgehen (was selbstverständlich eine Utopie ist), dass wir zwei genau gleich leistungsfähige Tauben haben und Taube A bei vielen Eigenschaften höhere Punktzahlen bekommt als Taube B, müsste Taube A eigentlich doch immer als Erste nach Hause kommen, und darum dreht sich schließlich alles in unserem Sport. Da die oben genannten Eigenschaften relativ einfach gezüchtet werden können, wäre es nicht klug, sie nicht zu berücksichtigen.

Ausbreitung
Das ist auch der Grund, warum man Tauben besser im Hinblick auf das, was man selbst auf dem Schlag hat, dazuholt. Hat man einen Überfluss an Glasaugen auf dem Schlag, sollte man dafür sorgen, dass die dazugeholten Tiere nicht auch Glasaugen haben. Hat man zum größten Teil gehämmerte Tiere auf dem Balken, sollte man darauf achten, keine gehämmerten Glasaugen dazuzuholen, es sei denn, dass es ein echter Supervogel ist. Unglücklicherweise fliegen die nicht in Scharen umher. Gibt es sie doch, sind sie vielleicht gar nicht zu kaufen, und wenn das doch der Fall sein sollte, bestimmt nicht für jemandem mit normalem Portemonnaie. So bleibt nur eine Möglichkeit, und die ist, selbst zu züchten.

Bereit
Wenn alles gut gelaufen ist, müssen die Tauben jetzt bestens zurecht sein. Sie werden knapp mit Säuberungsmischung gefüttert. Wie viel sie jetzt bekommen? Nun, die Weibchen müssen sich mit ungefähr 15 Gramm am Tag begnügen. Aber ich messe das nicht genau ab. Die Männchen bekommen ein kleines bisschen mehr. Grit bekommen sie reichlich, denn ich überschlage in Bezug auf die Fütterung schon mal einen Tag, und dann haben sie doch etwas zu picken.

Jod
Um den Stoffwechsel anzukurbeln und wenn nötig den Fall der Daunen zu beschleunigen, geben wir hin und wieder ein Jod-Präparat ins Trinkwasser. Das wirkt zusätzlich noch desinfizierend. Nicht, dass das unbedingt nötig wäre, denn die Tiere strotzen vor Gesundheit. Eigentlich logo, denn sie sitzen gewissermaßen nur da, und wer dann schon Probleme hat, gesund zu bleiben...
Jod wirkt aktivierend und desinfizierend, aber es greift auch die Darmflora an. Also nicht vergessen, diese danach wieder in Ordnung zu bringen. Das kann man mit Biograde Joghurt, wodurch die Tauben zusätzlich noch etwas tierisches Eiweiß bekommen, oder mit einem guten Probiotika-Pulver. Es gibt zur Zeit welche mit den bei Tauben körpereigenen Sallivarius-Bakterien. Im Gegensatz zu anderen Laktobakterien setzen sich diese in der Darmwand fest und vermehren sich dort auch. Es ist inzwischen allgemein bekannt, dass eine einwandfrei arbeitende Darmflora sowohl bei Mensch als auch bei Tier dem allgemeinen Gesundheitszustand zugute kommt.

Genügend Futter
Wir sorgen dafür, dass sie zum Anpaarungstermin vollkommen gesättigt sind als sollten sie auf einen Flug mitgegeben werden. Weder Weibchen noch Männchen haben dann Hunger oder Durst und nur Augen für einander. Gut vorbereitete Tauben paaren sich, bis auf einige Ausnahmen, ohne Mühe oder nennenswerte Probleme. Wenn sie dann zusammensitzen, wird in den Nistzellen gefüttert, wo auch ein bisschen frischer Grit gegeben wird. Treibende Vögel lassen häufig ihrem Weibchen kaum oder gar keine Chance, etwas zu fressen, geschweige denn Grit zu picken, und da die Qualität des Jungtiers schon bei der Qualität des Eies beginnt, wäre es nicht so gut, wenn es kaum oder nur sehr unregelmäßig hier und da ein Körnchen picken kann. Dasselbe gilt für Grit und damit für die Kalkzufuhr für die Eier. Sie werden in den Nistzellen gefüttert, bis die Eier gelegt sind. Berücksichtigen Sie auch, das treibende Vögel nicht in erster Linie ans Fressen denken und dass sie während des Treibens etwa drei bis vier Gramm Fett pro Tag zusätzlich verbrauchen. Ein bisschen Kleinsämereien zusätzlich oder ein paar Erdnüsse dürfen dann sein.
Das Zuchtfutter, ein Futter mit viel Getreide und Sämereien mit hohem Eiweißgehalt bekommen sie unbegrenzt, bis das erste Ei gelegt ist. Sie müssen allerdings alles auffressen, bevor neues Futter in die Näpfe kommt. Wichtig ist, dass die Tauben vor allem während des Brütens eine optimale Kondition behalten. Das erreichen wir mit einem sehr leichten Futter. Brütende Tauben verbrauchen so gut wie keine Energie und ganz bestimmt nicht bei diesen Temperaturen. Wenn man also nicht aufpasst, hat man plötzlich "Mastgänse" und (zu) fette Athleten...

Brüten
Auch während des Brütens füttern wir zwei Mal am Tag, aber dann in einer gemeinschaftlichen Futterrinne. Wir halten die Tauben kurz, sehr kurz. Bleibt eine auf dem Nest sitzen oder sobald eine zurück aufs Nest fliegt, geben wir kein Futter mehr nach. Grit, zwei Mal pro Tag frisches Wasser und eine gute Mineralienmischung stehen ständig zur Verfügung. Bekommen sie dazu noch zwei bis drei Mal pro Woche ein Bad, können sie es aushalten, bis die Jungen schlüpfen.
Im folgenden Beitrag fahren wir fort mit der Aufzucht der Jungen und der Bedeutung von Zuchtmischung mit einem hohen Anteil an verwertbarem Eiweiß. Und auf die Frage eines Lesers hin werden wir haargenau erklären, warum Weibchenspezialisten nach relativ kurzer Zeit viel mehr bessere Vögel züchten als Täubinnen.

 
Eddy Noël
 
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