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Vorbereitung auf die Zucht
05.02.2010

Die Vorbereitung auf die Winterzucht ist jedes Jahr erneut ein schwieriger aber auch entscheidender Zeitraum. Die Qualität, aber daneben und im großen Ganzen nicht unwichtig auch die Verfassung der Elterntiere bestimmen die Qualität der Jungtiere, und die Jungtiere bestimmen ihrerseits wieder die Zukunft eines Schlages. Wir streben danach, immer besser zu werden, und dieses Besserwerden kommt nicht von selbst angeweht. Alles beginnt damit, was und wie wir züchten. Zuchttauben, die nicht kerngesund und in Topform sind, züchten auch dementsprechend. Es ist seltsam aber wahr: Sehr oft werden die Jungen aus der zweiten Runde sehr viel besser als die aus der ersten Runde. Der hauptsächliche Grund dafür ist ganz einfach der, dass die Zuchttauben erst nach dem ersten Gelege die gewünschte körperliche Verfassung bekommen.
Qualität und Kondition sind also erforderlich, und damit erheben sich schon zwei Fragen. Was ist Qualität und wie bekommen wir die Elterntiere in die gewünschte perfekte Kondition? Beginnen wir mit:

Die perfekte Kondition
Bereits vierzehn Tage vor Beginn der Zucht müssen die Tauben tadellos in Ordnung sein. Das bedeutet, dass die Tiere zumindest frei von welchen Krankheiten auch immer sein müssen. Gesund sein oder Kondition oder Form haben sind dann noch wieder drei verschiedene Dinge.
Das eine gibt es nicht ohne das andere. Tauben, denen irgend etwas fehlt, bekommt man nicht in Kondition, geschweige denn in Form. Tauben, die gesund und in guter Kondition sind, müssen schön glatt sein, rosiges Brustfleisch haben und dürfen keine alten Daunen mehr haben. Haben die Tauben noch alte Daunen, muss sofort die Alarmglocke läuten. Entweder ist eine Krankheit im Anmarsch oder die Tauben sind zu schwer geworden. Sind oder werden sie krank, müssen Sie zum Tierarzt gehen. Haben Sie sie über längere Zeit zu schwer oder falsch gefüttert, ist es Ihre Sache, hier etwas zu ändern.
Diese Dinge passieren leicht, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Die Zuchttauben ziehen in den meisten Fällen ein oder zwei Gelege auf, und danach wird die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die Reisetauben gerichtet.

             Zu viel alte Daunen                                          Beinahe gut...


Alte Daunenfederchen erkennt man daran, dass sie dicker und flauschiger sind.
Ÿ Ein oder zwei Tage ohne Futter kann helfen, überflüssige Daunen zu entfernen, wenn die Tauben zu schwer sind.
Ÿ Weizen zum Kochen zu bringen und das Kochwasser ein paar Tage lang den Tauben zu geben, ist ebenfalls ein wirksames Mittel.
Ÿ Sedochol oder ein leichter Tee sind ebenfalls empfehlenswert.
Bedenken Sie, dass Vorbeugen viel besser ist!

Jahreszeiten
Preisflugbedingungen und Reisemethoden zwingen uns, früh zu züchten, damit wir mit den Jungtauben während der Reisesaison Erfolgschancen haben.
Winterzucht ist jedoch für unsere Tauben etwas Unnatürliches. Wenn Vögel entsprechend den natürlichen Jahreszeiten leben, wäre für sie jetzt eine magere und beschwerliche Zeit, in der sie absolut nicht an Fortpflanzung denken. Das Überleben selbst ist schon eine Kunst.
Während sie im Herbst während der Mauser noch einen Überfluss an allem möglichen Futter hatten, steht das in schrillem Kontrast zu dem, was in den dunklen kalten Monaten auf dem Speisezettel steht. Die eingelagerten Reserven kommen ihnen also gut zupass, aber diese sind, wenn der Frühling ins Land zieht, vollkommen aufgebraucht. Sie sind am Ende des Winters also rank und schlank, um dann für Nachkommen zu sorgen, und so muss es auch bei unseren Tauben sein. Zu fette Tauben befruchten und legen jedenfalls überaus schlecht. So gibt es schon vor dem Start eine hübsche Zahl von Minuspunkten.
Damit für unsere Zuchttauben alles so gut wie möglich verläuft, müssen wir also bestrebt sein, die Jahreszeiten etwas vorzuziehen. Das bedeutet, dass wir nach der Mauser, während der alles im Überfluss vorhanden war, jetzt die Zuchttauben so knapp wie möglich halten. Und dieses knapp halten, hat so seine Wirkung.

Entschlacken
Mit Entschlacken meinen wir den Darm zu reinigen. Alle möglichen und unmöglichen Futterreste müssen, genau wie das bei den Vögeln in der Natur der Fall ist, aus dem Darm entfernt werden. Wir bewirken das, indem wir ein Futter geben, das ziemlich viel und verschiedene Sorten von Ballaststoffen enthält. Man kann das ein bisschen damit vergleichen, als würden wir den Fußboden mit einem rauen Besen fegen, anschließend noch einmal mit dem Staubsauger darüber gehen und zum Schluss aufwischen. Alles wird dann blitzsauber. Das Ergebnis bei unseren Tauben ist eine völlig neue Darmflora, die nicht nur möglichen Eindringlingen besser gewachsen ist, sondern auch dafür sorgt, dass die Nährstoffe aus dem Futter viel besser aufgenommen werden.

 

Eine Mischung zur Entschlackung

Ballaststoffe
Diese finden wir unter anderem hauptsächlich in Gerste, Paddy, Buchweizen, Kardi, Sonnenblumenkernen und gestutztem Hafer. Eine gute Wintermischung enthält diese Getreidesorten in reichem Maße. Der Vorteil ist die besonders reinigende Wirkung. Ein Nachteil ist dagegen das schlechte Omega-3-6-Verhältnis, obwohl wir das zum Teil ausgleichen können, indem wir ein wenig Leinöl geben. Wir gebrauchen vorzugsweise kalt gepresstes, nicht raffiniertes Leinöl. Die Verabreichung eines guten Probiotikums hilft dann wieder bei der Bildung und Erneuerung der Darmflora.
Wir füttern knapp, gerade so viel bis die ersten Tauben zur Tränke gehen. Wir füttern auch zwei Mal am Tag, um zu verhindern, dass sich der Stoffwechsel verlangsamt. Das können wir zu diesem Zeitpunkt bei Tauben, die innerhalb weniger Wochen züchten sollen, nicht gebrauchen.

 

1. Mit dem falschen Omega-3-6-Verhältnis gefüttert.
2.Mit dem richtigen Omega-3-6-Verhältnis gefüttert.

Im Mai legen alle Vögel ein Ei
So sagt es jedenfalls das Sprichwort. Haben wir die Winterzeit für unsere Tauben vorgezogen, so müssen wir das anschließend auch mit dem Frühling machen. Die Tage werden in dieser Zeit allmählich länger und auch das Nahrungsangebot wird wieder größer.
Mitten im Winter müssen wir uns mit acht Stunden Licht am Tag begnügen, und das ist noch nicht einmal sehr intensiv. Ende März, Anfang April geht die Sonne schon um Viertel nach sieben auf und abends um Viertel nach acht unter, ohne dabei die Dämmerungszeit zu berücksichtigen. Das zusätzliche aber vor allem viel stärkere Licht setzt die Bildung von Hormonen bei Mensch und Tier und damit auch bei unseren geflügelten Freunden in Gang.
Wir ahmen das nach und aktivieren die Hormone bei unseren Tauben, die im Winter züchten sollen, indem wir mindestens zwei Wochen vor dem Anpaaren für zusätzliches Licht sorgen. Durch einen entsprechenden Dimmer können wir auch für Zeiten der Dämmerung sorgen und das Licht allmählich gegen 6.45 Uhr angehen und gegen 20.15 Uhr allmählich ausgehen lassen. Damit kommen wir ziemlich in die Nähe dessen, was im Frühling üblich ist und das einschließlich der natürlichen Dämmerungszeit, die wir auf 30 Minuten einstellen. Die Lampen langsam ausgehen zu lassen, hat noch den Vorteil, das die Tauben sich nicht verfliegen oder nicht mehr auf ihr Nest kommen können, wenn plötzlich das Licht ausgeht.
Wenn es möglich ist benutzen wir Tageslichtlampen und Hochfrequenzarmaturen. Die RSI-Werte dieser Lampen nähern sich, je nach Hersteller, zu 95 bis 98 Prozent dem natürlichen Tageslicht, einschließlich eines gewissen Anteils von UV-Strahlung. Das ist nicht unwichtig, aber darüber müssen wir vielleicht später noch berichten. Das ist nämlich eine interessante Materie. Doch das nur nebenbei.

Angepasstes Futter
Künstliches Licht zusammen mit dem allmählichen Aufbau durch mehr und mehr Eiweiß im Futter sorgt dafür, dass unsere Tiere in allerbester Verfassung an die schwere Aufgabe der Winterzucht herangehen können. Zum Anpaarungstermin hin füttern wir sie so, als müssten wir sie für den für uns allerwichtigsten Flug des Jahres einkorben.
Ein einziges Mal ein paar Vitamine zusätzlich und etwas von dem Fruchtbarkeitsvitamin E müssen genügen. Gut versorgte, mit einer variantenreichen gesunden Körnermischung gefütterte Tauben haben keinen Bedarf an alle möglichen zusätzlichen Mitteln. Es sterben mehr an einem Zuviel als an zu wenig.
Friert es nicht Stein und Bein genügen drei Mahlzeiten, um die Tauben optimal im Futter und gesättigt zu haben. Herrscht wirklich strenges Winterwetter, machen wir das Futter allmählich "schwerer", und zwar ab etwa zehn Tagen vor dem voraussichtlichen Anpaarungstermin. Mit schwererem Futter meinen wir Futter mit einem höheren Eiweißgehalt. Nicht der Gehalt an Roheiweiß ist hier von Bedeutung, sondern des verwertbaren Eiweißes, und der kann je nach Sorte des Zuchtfutters sehr unterschiedlich sein.

Temperatur
Auf einem Dachbodenschlag kann sich die Temperatur sehr von der auf einem Gartenschlag unterscheiden. Der Letztere kann im Winter viel schneller kalt und klamm sein. Anstatt dass die Form ansteigt, wird eher das Gegenteil der Fall sein. Bei extremer Kälte ist es darum kein überflüssiger Luxus, den Aufbau der Form durch zum Beispiel Heizplatten zu unterstützen. Sind die Temperaturen konstant extrem niedrig, bleiben die Heizplatten an, bis die Täubinnen gelegt haben. Wir müssen dafür sorgen, dass die Tauben nicht unnötig Energie aufwenden müssen oder es ihnen schwerer machen als es sowieso schon ist.

Paaren
Wir setzen die Tauben erst zusammen, wenn man deutlich sieht, dass sie dafür bereit sind. Am besten an einem trockenen, sonnigen Tag, wie man sie manchmal im Winter hat. So ein Tag ist einem dunklen trüben Tag immer vorzuziehen.
Sie werden merken, dass Tauben, die - bis auf wenige Ausnahmen - bereit zur Paarung sind, nicht kämpfen und wenig oder gar nicht in die falsche Zelle fliegen, sodass Sie schnell alle Zellen offen lassen können und dass die Eiablage schnell und reibungslos erfolgt.
Gut begonnen, ist halb gewonnen.

Qualität
Es ist so, dass mehrere Eigenschaften zusammen bestimmend für die Qualität sind. Das in jeder Hinsicht perfekt aussehende Tier muss wahrscheinlich erst noch geboren werden, ganz zu schweigen davon, ob es dann auch noch hervorragend fliegen und hervorragende Nachzucht geben wird. Das gibt es also nicht.
Es ist das Produkt, das zwei Elterntiere in die Welt setzen, was von Bedeutung ist. Es gibt absolut keine mathematische Sicherheit, dass Elterntiere, die guten Eigenschaften, die sie selbst haben, auch an ihre Jungen weitergeben. Andererseits ist es aber so, dass sie nie und nimmer etwas weitergeben können, was sie selbst nicht haben. Die Vererbung hat so ihre eigenen Regeln und Gesetze, aber es ist so, dass die Natur stets nach dem "Durchschnitt" strebt.
Mit der Zucht von Tauben ist es ein bisschen so wie mit der Gärtnerei. Die erwünschten Pflanzen (z.B. Gemüse) sind etwas schwieriger zu "züchten" als die unerwünschten. Im Fall des Gartens ist das Unkraut. Wenn man nicht aufpasst, überwuchert es in kürzester Zeit alles und noch mehr. Mit den dominant vererbten Fehlern bei unseren Tauben ist es dasselbe. Wir werden das also bei der Auslese und bei der Anschaffung von Zuchtmateriel berücksichtigen müssen.

Eigenschaften
Eine absolute Voraussetzung ist eine natürliche Vitalität. Solche Tauben werden nicht so leicht krank, sie erholen sich schneller und besser, sitzen selten zusammengesunken da usw. Bei vitalen Tauben stehen die Muskeln immer unter einer gewissen Spannung. Die Muskeln fühlen sich niemals "tot" an. Man hat den Eindruck, dass sie gleichsam immer in "Bewegung" sind. Die Tauben sind immer - unabhängig von den äußeren Umständen - in perfekter Verfassung, und das ist schon ein sehr guter Anfang. Damit kann man weitermachen.
Des Weiteren habe ich noch nie wirklich gute Tauben gesehen (und ich habe schon eine ganze Menge gesehen), deren Augen weit offen standen. Ich habe noch nie eine Spitzentaube gesehen, deren Gefieder so trocken wie Stroh war, die sich eckig anfühlte und nicht wie ein Wassertropfen durch die Hand glitt. Ich habe noch nie wirklich gute Tauben gesehen, die sich wie ein Schwamm anfühlten und durch die man hindurch greifen konnte, genauso wenig wie Tauben, die nicht gut im Gleichgewicht waren, obwohl sich das, je älter die Taube wird, entweder zum Guten oder zum Schlechten wenden kann. Tauben mit einer schwachen Knochenstruktur sind ebenfalls sehr selten, um nicht zu sagen nie, die Spitzentiere auf einem Schlag.
Das sind mehr oder weniger die wichtigsten Voraussetzungen. Hapert es bereits hier, ist sofort Schluss. Solche Tauben sehen niemals das Innere des Zuchtschlages. Mit guten Tieren ist es schon schwierig genug, sodass man gar nicht erst mit halbgaren Kandidaten in den Kampf ziehen sollte.

Im nächsten Beitrag werden wir etwas näher auf ein paar Eigenschaften eingehen, die wir bei der Zusammenstellung unserer Zuchtpaare berücksichtigen sollten, um zielgerichteter züchten zu können.

Viel Erfolg damit!


 

 
Eddy Noël
 
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