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Orientierung
05.02.2010

Es ist ein Thema, f�r das schon viel Tinte verbraucht wurde. Sonne, Geruch, Erdmagnetismus und was nicht noch alles. Dar�ber, wie eine Taube ganz genau ihren Weg nach Hause finden kann, sind sich die Wissenschaftler jedoch noch immer nicht einig. Tatsache ist, dass Tauben manchmal v�llig problemlos nach Hause kommen, und es ihnen ein anderes Mal absolut nicht oder nur unter allergr��ten Schwierigkeiten gelingt.

Der richtige Weg
Genau wie bei Menschen ist es auch bei Tauben so, dass sich die eine besser orientieren kann als die andere. Uns Menschen steht daf�r heutzutage ein fast fehlerfreier Kompass oder GPS-System zur Verf�gung, um dorthin zu kommen, wo wir sein wollen. Sie haben vielleicht auch schon gemerkt, dass Ihr eigenes Orientierungsgef�hl um so mehr nachl�sst, je mehr Sie diese technischen Systeme nutzen. Mit dem Kopfrechnen ist es dasselbe. Unser Gehirn wird in dieser Hinsicht nicht mehr benutzt. Rechenmaschinen erledigen diese Dinge perfekt.

Uns wird es leicht gemacht, unsere Tauben sind dagegen auf sich selbst angewiesen.

Training
So ist es auch bei unseren Tauben. Alle haben ein angeborenes Orientierungssystem. Bei der einen arbeitet es vielleicht etwas besser als bei der anderen. Je besser eine Taube in Form ist, desto besser, schneller und leichter wird sie sich auch orientieren k�nnen. Das h�ngt alles ein bisschen zusammen. Dar�ber hinaus k�nnen wir dieses System auch noch trainieren. Nicht immer kommt die Taube, die am schnellsten fliegt, als erste nach Hause, sondern die, die in der Lage ist, den k�rzesten Weg zu finden, und dabei kommt ihr ein gut trainiertes Orientierungsverm�gen sehr zupass.
Die Zeit, die die Tauben n�tig haben, um sich orientieren zu k�nnen, ist also auch ein Gradmesser f�r ihre allgemeine Verfassung und Einsatzbereitschaft. Das kann man gut merken, wenn man Trainingsk�rbe benutzt, die oben offen sind. Wenn man die K�rbe aus dem Auto holt, sind die Tauben zun�chst noch unruhig. Nach einer Weile sitzen alle mit etwas schr�g nach oben gerichteten K�pfen m�uschenstill da. Das kann kurze oder l�ngere Zeit dauern. In einem bestimmten Moment fangen sie dann wieder an, unruhig hin und her zu laufen, was bedeutet, dass sie ihre Position bestimmt haben oder, mit anderen Worten, orientiert sind und man sie auflassen kann.

In oben offenen Trainingsk�rben zeigen einem die Tauben, wenn sie sich orientiert haben.

Je mehr man sie darauf trainiert, um so k�rzer wird die Zeit, die sie daf�r n�tig haben. Wenn Sie sie immer am selben Platz auflassen, werden Sie auch merken, dass diese Zeit, in der sie sich orientiert haben, schnell k�rzer wird, weil Tauben sich auch an markanten Punkten orientieren. Fahren Sie zum Beispiel 40 km in gerader Linie von zu Hause weg, muss man das nicht oft wiederholen, bis die Tauben die Strecke sozusagen "auf Sicht" runterspulen. Sie haben sich dann schnell auf dem Platz, auf dem sie aufgelassen werden, orientiert und fliegen dann den markanten Punkten folgend nach Hause. Das Orientierungsverm�gen wird dabei nicht mehr viel trainiert.

�bung macht den Meister
Es gibt Tauben, die die F�hrung �bernehmen, und es gibt die Mitflieger. Tauben sind und bleiben Schwarmflieger und Herdentiere. Die "Mitflieger" k�nnen wir zwingen, ihren Weg selbst zu suchen, indem wir unsere Tauben einzeln auflassen. Es kann dann gut eine Weile dauern, bis sie nach Hause kommen. Sie versuchen zum Beispiel, sich einem Schwarm kreisender junger oder alter Tauben anzuschlie�en, aber werden am Ende schlie�lich immer auf sich selbst angewiesen sein, um, wie auch immer, den heimatlichen Schlag zu erreichen.

Noch mehr �bung macht noch gr��ere Meister
Um das Fliegen nach markanten Punkten noch mehr auszuschlie�en und so das angeborene Orientierungsverm�gen noch st�rker zu trainieren, k�nnen wir sie jedesmal auf einem anderen Platz auflassen. Das muss nicht in der genauen "Flugrichtung" sein, im Gegenteil, die Auflasspl�tze d�rfen ruhig in allen Himmelsrichtungen liegen. Die Tauben sind dann gezwungen, mit Hilfe ihres Orientierungsverm�gens zu fliegen und nicht nach Erkennungspunkten.

Immer geradeaus
Forschungen haben ergeben, dass Tauben nicht wirklich in gerader Linie nach Hause fliegen. Sie machen das mehr oder weniger in einer Zick-Zack-Linie. Das kommt daher, weil sie ihre Navigation immer etwas korrigieren m�ssen. Je besser ihr Orientierungsverm�gen trainiert ist, desto besser k�nnen sie auch korrigieren, was zur Folge hat, dass sie in geraderer und damit k�rzerer Linie nach Hause fliegen. Wenn sie sich dann auf dem letzten St�ck nach Erkennungspunkten orientieren und dadurch direkt auf den Schlag zufliegen k�nnen, kommt das ihrer Geschwindigkeit nur zugute. Das wird dann ein langer Sprint in gerader Linie in Richtung Heimatschlag. Motivation ist dabei auch nicht ohne Bedeutung.

Trainieren
Um Tauben gr�ndlich zu trainieren, sollten wir ein paar Dinge ber�cksichtigen. F�r die ersten Trainingsfl�ge von Jungtauben hat es sich immer wieder als verh�ngnisvoll herausgestellt, wenn das bei Ostwind gemacht wurde. J�hrige Tauben haben damit nicht so gro�e Probleme, w�hrend es erfahrenen alten Tauben kaum etwas ausmacht. Gut oder nicht gut eingeflogen ist auch ein entscheidender Faktor.
Ein Vorteil bei dieser "Ostwindtheorie" ist, dass man die Windrichtung leicht bestimmen und somit schnell beschlie�en kann, ob man mit den Tieren losf�hrt oder nicht oder man kann zumindest die Entfernung anpassen.

UV-Strahlungen und Inversionen geh�ren dagegen zu den �belt�tern, die einen enormen Einfluss auf den guten oder katastrophalen Verlauf von Wett- oder Trainingsfl�gen haben k�nnen. Man erkennt sie nicht oder doch nur schwer, aber sie sind manchmal vorhanden mit allen Folgen davon.

Die Tiere gewinnen mehr Selbstvertrauen, wenn sie unter guten Bedingungen aufgelassen werden.

UV-Strahlung
UV-Strahlung kommt von der Sonne. Je h�her die Sonne am Himmel steht und je weniger Wolken da sind, um so st�rker ist die UV-Strahlung. Je dicker dagegen die Wolkendecke ist, um so weniger kann von dieser UV-Strahlung die Erde erreichen. Tauben haben sowohl bei einer zu hohen als auch bei einer zu niedrigen UV-Strahlung Schwierigkeiten, sich zu orientieren. Die f�r den Tag vorhergesagte und die real wahrgenommene UV-Strahlung kann man unter dieser Internet-Adresse finden:

http://www.meteo.be/meteo/view/nl/522044-Uv.html

Bei einem UV-Index von 2 und weniger haben Tauben sehr gro�e Schwierigkeiten, sich gut zu orientieren. Das ist auch der Fall, wenn der UV-Index h�her als 8 ist. Die besten Werte liegen zwischen 4 und 7, und die sollten wir ber�cksichtigen, wenn wir Tauben auflassen oder auf einem Preisflug mitgeben wollen.

Inversion
Die h�ufigste und damit wichtigste Inversion, die wir Taubenliebhaber am st�rksten ber�cksichtigen sollten, ist die feuchte Inversion.

Hier sehen wir ganz deutlich eine Inversionsschicht h�ngen.

Unter normalen Bedingungen wird die Luft immer k�lter, je h�her wir in die Atmosph�re kommen. Bei Inversionen ist es jedoch so, dass die Temperatur steigt, je h�her man kommt. Diese h�here w�rmere Luftschicht h�lt die untere k�ltere Luft sozusagen gefangen. Das f�hrt zu einem Problem, wenn es zum Beispiel nachts regnet oder durch Abk�hlung der Luft Nebel aufkommt. Wenn morgens die Sonne aufgeht und die Erde erw�rmt, sorgt sie daf�r, dass Regen und/oder Nebel verdampfen. Bei der Inversion wirkt die obere warme Luftschicht als "Deckel", wodurch Feuchtigkeit und Schmutzpartikel unten gehalten werden. Es bildet sich dann eine gleichm��ig graue Wolkenschicht, und diese Schicht sorgt f�r Probleme. Die darin enthaltenen Wassermolek�le brechen n�mlich die Lichtstrahlen der Sonne, wodurch die Tauben den Stand der Sonne falsch einsch�tzen und sich demzufolge verkehrt orientieren. Auch hier sind es wieder vor allem Jungtauben, die damit mehr als die �lteren Tauben Probleme haben.



Die Sonnenstrahlen werden durch das Wasser "gebrochen", wodurch die Tauben ein falsches optisches Bild vom Stand der Sonne bekommen und sich demzufolge verkehrt orientieren.

Vorsicht ist die Mutter der...
Im zeitigen Fr�hjahr k�nnen uns vor allem zu niedrige UV-Werte beim Training der Tauben oder auf Preisfl�gen Probleme bereiten. F�r Jungtauben sind Ostwind und Inversionen die gr��ten �belt�ter, die f�r massenhafte Verluste sorgen. Es ist also Vorsicht geboten. Es kann nicht das Ziel sein, fr�h zu z�chten und den Jungen alle Sorgfalt angedeihen zu lassen, um sie dann auf eine Art und Weise zu verlieren, die h�tte verhindert werden k�nnen.

 

 
Eddy No�l
 
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